Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 230 (sequence 19)
- Language
- German
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230 Samuel Rappaport: sichten haben, schwächt die jüdische Kraft im Lande, drückt das soziale und kulturelle Niveau des Jischuws herunter und schließt hinter sich die Tür für die arbeitsuchenden jüdischen Einwanderer. Die jüdischen Volksmassen, die ruhig zusehen, wie mit dem Volkskapital eine Kolonisation gegen ihre Interessen durchgeführt wird, sind allein dafür verantwortlich, daß ihre Befreiungsmöglichkeiten systematisch vermindert werden; die zionistische Politik, die ein solches Arbeitssystem unterstützt oder zu seiner Unterstützung aufruft, widerspricht sich selbst. Die privatwirtschaftliche Kolonisation auf Ausbeutungsgrundlage steht in ieder Hinsicht in diametralem Gegensatz zu der jüdischen Erlösung. SAMUEL RAPPAPORT / AUS DEM RELIGIÖSEN LEBEN DER OSTJUDEN VI, Krankheit 3, Brauche gegen Krankheit B. Beten und Jahreschenken Soll der Kranke des Erbarmens Gottes wert sein, so muß in erster Linie er selber unmittelbar dazu beitragen, daß ersieh der himmlischen Gnade würdig zeige, indem er in Reue und Einkehr um Genesung betet; zumal das Gebet eines Kranken für sich viel wirksamer ist und mehr bedeutet als wenn andere für ihn beten. (Kizzur SchLuH Ausgabe Zolkiew 1725 Blatt 94B). Schon von König Chiskiah erzählt die heilige Schrift, daß er, als er dem Tode nahe an schwerer Krankheit darniederlag, durch inbrünstiges Gebet, dessen Inhalt die Bibel für ewige Zeiten als Lehre und Muster festhielt, seine Gesundheit wieder erlangte (Reges II 20.3 Jesaia 38.3). R. Jochanan. wies einen Kranken, der in seinem Schmerze Gott lästerte, zurecht, indem er ihm zurief, daß er statt zu lästern lieber für sich hätte beten sollen (Abot de Rabbi Natan, Absch. 41); denn wenn ein Kranker in den ersten drei Tagen um seine Genesung betet, ruft dann Gott am vierten Tage der Krankheit: „Es ist des Leidens genug! nun will Ich ihn wieder aufrichten" (Midrasch Schochar Tob. Psalm 41.5). Der Ostjude unterläßt es nicht, bei seiner Erkrankung schon am ersten Tage für seine Genesung zu beten. Natürlich sind es, neben anderen Gebeten, die schon aus alltäglicher Übung geläufigen Psalmen, die hier in erster Linie in Betracht kommen. Auch die Frau schöpft, neben ihrer Tchinnah,. gleich dem Mann aus den Psalmen, die sie in ihrem „Korban Minchah"-Gebetbuch unter dem hebräischen Text auch in jiddischer Sprache findet, auf ihrem Krankenlager Hoffnung und Zuversicht. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist es, daß neben dem Kranken auch andere für ihn beten. Das Gebet anderer vermag, den ersehnten Erfolg zu bewirken. So hat z. B. Abraham durch sein Gebet die Heilung Abimelechs erlangt (Genesis 20,17). Moses hat seine für Übelreden gegen