Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 225 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Die privatwirtschaftliche Kolonisaticn in Palästina 225 und Valutaänderuug, der Unterschied zwischen dem jüdischen und arabischen Arbeitslohn so gewachsen, daß die ^stärksten nationalen Motive nicht mehr imstande sind, den Privatkolonisten zu zwingen, sein System zu ändern. Während der jüdische Arbeiter, sogar der Jemenite heute seine 25—30 Piaster pro Tag haben muss, arbeitet der arabische Arbeiter oft für 10—12 Piaster und die arabische Arbeiterin noch billiger. Wenn aber, unter dem Einfluss der jüdischen Kolonien, die Bedürfnisse der benachbarten arabischen Arbeiter zu wachsen anfangen und sie, oft sogar organisiert, einen höheren Lohn verlangen, versteht es der Kolonist, aus der Fremde, oft von jenseits der Grenzen von Erez Israel noch billigere Arbeitshände zu bringen, die selbst die lokalen Arbeiter verdrängen. Nach den ukrainischen Pogromen, als der ganze Jischuw in Erez Israel von den Nachrichten erschüttert war, als die Tore von Erez Israel zum erstenmal für eine Zeitlang geöffnet wurden und aus Odessa der erste Transport der so lange erwarteten Chaluzim angekommen war, musste eine besondere außergewöhnliche Anstrengung seitens des Waad Hasmani und des Ausschusses des Kolonienverbandes und der höchsten Jischuwinstanzen gemacht werden, die ihre ganze Autorität angewendet und an die jüdischen Gefühle der Kolonisten appelliert haben, um 4—5 Chaluzim in jeder Kolonie unterzubringen. Auch diese wurden aber durch den Kolonierat bei den Kolonisten verteilt, ohne daß diese angefragt wurden, und dazu noch unter Bedingungen, die das weitere Verbleiben der Arbeiter von Anfang an unmöglich machten. Tatsächlich hat es keine zwei Wochen gedauert und die Mehrzahl von ihnen hat die Kolonien verlassen, und als das zweite Schiff angekommen war, hatten die Kolonieräte schon gar keine Lust, den Versuch noch einmal zu machen. Die jüdische Kolonie, aui privatwirtschaftlicher Grundlage aufgebaut, hat sich selbst dazu verurteilt, für die jüdische arbeitsuchende Einwanderung mit sieben Schlössern verschlossen zu bleiben, und der jüdische Arbeiter wurde nach zehnjährigem opfervollem Kampf um die Arbeit gezwungen, mit blutendem Herzen die Hoffnung, in diese Kolonien unter den heutigen Bedingungen hineinzukommen, aufzugeben. Mehrere von allen diesen Grundfehlern der Kolonisation in Erez Israel sind den vielen Besuchern und Politikern noch vor vielen Jahren klar geworden; *) Unter dem erschütternden Eindruck des Pogroms In Jaffa (Mai 1921) und der Ueberfälle auf Petach Tikwah und Chederah trat ein Umschwung ein. Arabische Arbeiter, die am Ueberfall teilgenommen haben, wurden entlassen. Manche Kolonisten und Kolonistensöhne gingen zur Arbeit über. In manchen Kolonien — insbesondere in Petach Tikwah und Chederah — wurden jüdische Arbeiter aufgenommen. 1014 jüdische Arbeiter wurden in den Mc-naten Juli—August 1921 als Lohnarbeiter bei den jüdischen Kolonisten untergebracht. Selbst die Arbeiterpresse Palästinas wollte diesmal den Ernst der Umwälzung nicht anzweifeln und nahm von neuem ihre alte Hoffnung bezüglich der landwirtschaftlichen Lohnweiter au*- Aber selbst der Eindruck der Mai-Ereignisse erlosch schnell angesichts der leugbaren Tatsache der billigen Arbeitskräfte. Allmählich wurden die jüdischen Arbeiter Atlassen und die alten hier geschilderten Zustände traten wieder in ihre Rechte. . . .