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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 224

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
Date
1921-01-01
Page
224 (sequence 13)
Language
German
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224 Sa Im an Rubaschow: Chederah gekommen nur dank der jüdischen Kolonisation. Und außer diesen ständigen arabischen Einwohnern, die jüe, Felder von Chederah bearbeiten, in welchen von auswärts hergekommene Beduinen mit ihren Weibern und Kindern wohnen, die auf Saisonzeit, wann die Kolonie neue Arbeitskräfte brauchen wird, warten; inzwischen entwickeln sie eine Hauswirtschaft, lassen die Herden weiden, ziehen Geflügel auf und befriedigen den Konsum der jüdischen Kolonie. Die Rechnung ist klar: das Geld des Barons und die Anstrengungen der Kolonisten haben den jüdischen Jischuw in Chederah auf 50 jüdische Familien gebracht, haben ihn aber gleichzeitig dreifach verkleinert, indem sie 150 nichtjüdische Familien hineingeführt haben. Im Namen des Zionismus wird der Zionismus systematisch untergegraben und mit Anwendung von grosser Mühe und Renaissance-Phraseologie wird in Palästina eine Situation geschaffen, welche die jüdische Exterritorialität mit allen ihren verhängnisvollen Folgen befestigt und verewigt. Und wer sich damit tröstet, daß durch die privatwirtschaftliche Kolonisation den Arabern Arbeit verschafft, die gewünschte arabisch-jüdische Verständigung geschaffen und die arabische Freundschaft gewonnen wird — kann keinen grösseren Irrtum begehen. Der jüdische Kolonist, der den Araber nur wegen seiner Billigkeit und Bedürfnislosigkeit sucht, ist am meisten an der Rückständigkeit der Araber interessiert und fühlt ihnen gegenüber eine Verachtung, die durchaus nicht geeignet ist, freundschaftliche oder dankbare Gefühle bei dem Verachteten und Ausgebeuteten hervorzurufen. Der Arbeitsmarkt frühmorgens, wenn der Kolonist sich unter den angekommenen Arabern die gesündesten und billigsten für die Tagesarbeit aussucht, erinnert an finstere Szenen von Sklaverei; die Regeln, die der Kolonierat oder die Kolonistenorganisation in gewissen Orten als „Arbeitergesetzgebung" ausgearbeitet und in Bate-Midraschim bekannt gegeben haben, haben in ganz Europa nicht ihresgleichen und gehören zum Kapitel der Leibeigenschaft, wie sie das jüdische Volk selbst in den finstersten Zeiten des Mittelalters nie erlebt hat. Man braucht kein Schwarzseher zu sein, um zu fühlen,, zu was für einem Ende eine solche Art von Klassenhass führen kann, wenn sie sich noch dazu mit religiösen und nationalen Unterschieden vereinigt und von solcher Jagd nach Billigkeit der Arbeitskräfte, wie sie der jüdischen Kolonie eigen ist, ernährt. In den blutigen Tagen von Jerusalem hätten auch die Optimisten erfassen müssen, daß die jüdischen Kolonisten und die Kolonisationspolitiker in den jüdischen Kolonien einen Vulkan aufgebaut und sich in seinen Krater gesetzt haben. Die Versuche, die jüdischen Arbeiter in die existierenden Kolonien einzuführen, welche im Laufe der letzten Jahre gemacht wurden und auf welche noch jetzt so viele Kömpromissmacher in der zionistischen Kolonisationspolitik ihre Hoffnung setzen, haben sich alle als machtlos erwiesen, die Lage abzuändern. Gerade in den Kriegsjahren ist, durch die plötzliche Teuerung ist die Kolonie von einer Kette von hundert Häuschen umgeben,

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