Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 222 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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222 SaIman Rubaschow: zusammen mit 3 Ziegen. Die Enge, der Schmutz, die Stickluft sind über menschliche Kräfte. Die Folgen ließen, nicht lange aui sich warten. Von 237 Jemeniten von Rechowoth sind 101 im Laufe von 6 Jahren gestorben; in Machneh-Josef bei Jaffa ist jede jemenitische Stube ein kleines Waisenhaus. In Jemma gibt fast keine einzige jemenitische Familie, die nicht einen Witwer oder eine Witwe zählt. Von 300 Seelen, die im Laufe von 8 Jahren in Nachliel gewohnt haben, sind 154 gestorben. Alle Kinder, die bei den Jemeniten im Dorfe während dar ganzen Zeit geboren sind, ungefähr 50 Seelen, sind gestorben: bei einem Vater 3 Kinder, bei einem anderen 5. Malaria, Typhus, Trachom, Lungenentzündung, Blindheit, Blutarmut, Blutkrankheiten sind ständige Gäste. Die medizinische Hilfe ist nicht genügend organisiert. Kein Arzt mit Verantwortungsgefühl kann mit reinem Gewissen auf sich die Aufgabe nehmen, die Jemeniten zu behandeln, solange sie in solcher Enge, ohne Wasser, ohne ständige Arbeit, ohne gesunde Wohnung, ohne Luft leben müssen. In keiner Kolonie besitzen die Jemeniten das Wahlrecht, nur jetzt haben sie es in Rischon le Zion bekommen. Sie werden bis jetzt zu keiner Stellung oder Ehrenamt in der Gemeinde zugelassen; in den Städten werden sie zu den schwersten und erniedrigendsten Arbeiten gebraucht. Ihre Frauen und Töchter sind von Kolonisten in Dienst genommen Worden und die Kolonistenfrauen behandeln sie, wie sie es mit den Frauen arabischer Arbeiter gewohnt sind. Und als der Jemenit die Zeichen des Protestes zu geben anfing, als es sich herausstellte, daß sein persönlicher und nationaler Stolz nicht um ein Haar geringer ist als bei den europäischen Juden, daß seine Armut durchaus nicht von der organischen Bedürfnislosigkeit bedingt ist, und daß er sich gerade so wie jeder andere Enkel von Awraham Awinu als ebenbürtiger Ben Melech fühlt, der die gleichen Rechte auf Erez Israel hat, haben sich das Kolonisten-Publikum und seine Führer mit Zorn von ihm abgewendet und er fing an, das Schicksal seines Bruders, des aschkenasischen Arbeiters von früher zu teilen. Allmählich entledigt sich die Kolonie jemenitischer Arbeit gerade so, wie sie sich früher aschkenasischer Arbeit entledigt hat. Von den 34 jemenitischen Familien arbeiten nur 2 bei den Kolonisten, die übrigen müssen ihre Arbeit bei gesellschaftlichen Unternehmungen oder in der benachbarten Arbeiter-Kwuzah in Gan Schemuel [suchen. Von den 35 Jemeniten-Familien in Sichron Jakob ist kein einziger Jemenit bei einem Kolonisten beschäftigt, obwohl — oder vielleicht eben weil — 90 Familien von arabischen Arbeitern beständig und bis 1000 Arbeiter während der Saisonzeit dort arbeiten. Die Jemeniten von Sichron müssen in Jaffa Arbeit suchen, sich als Handwerker durchkämpfen, in einem unbeschreiblichen Elend lebend; nur einem Teil von ihnen fiel die Gnade zu, in den Gemüsegärten des Barons zu arbeiten. Aber auch der Baron beschäftigt die Jemeniten nur in einem beschränkten Prozentsatz: in seinem Besitz in Sichron Jakob arbeiten 50 Araber und nur 18 Jemeniten und nicht mehr als ein aschkenasischer Jude und auch dieser nur als Aufseher. Und das