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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
Date
1921-01-01
Page
221 (sequence 10)
Language
German
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Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina 221 Und wie hat der Jischuw diese erste Prüfung, die die Geschichte ihm gestellt hat, bestanden? Das erste, was der Kolonist in Bezug auf die zurückkehrenden Brüder empfunden hat, war ihre Armut und die Billigkeit ihrer Arbeitskräfte. Die Legende von ihrer absoluten Bedürfnislosigkeit verbreitete sich blitzschnell und sofort wurde der Teufelspien gefaßt, sie in ihrem Elend zu erhalten und in ein Ausbeutungsmaterial zu verwandeln, das ebenso alle Gewohnheiten und Wünsche der Kolonisten befriedigen sollte, wie es seit jeher arabische Fellachen und halbnackte Beduinen getan haben. Das Zukunftsbild war: eine Kolonie von aschkenasischen Gutsbesitzern und jemenitischen Arbeitern. Auf solche Weise wird der Kolonist befriedigt sein, seine Lebensweise nicht geändert, sein Einkommen nicht vermindert, und das „Ideal" wird unbefleckt bleiben: Erez Israel wird durch jüdische Hände gebaut werden und die arabische Gefahr wird beseitigt sein. Die offiziellen zionistischen Politiker haben in den Dienst dieses Kolonistentraums ihren ganzen Organisationsapparat und ihre Autorität gestellt; es wurde alles getan, damit die Jemeniten die Märtyrerrolle erfüllten, die ihnen im Namen des Zionismus und des Jischuws zugedacht worden war. Und niemals hat der jüdische Jischuw seine menschliche und nationale Minderwertigkeit in solchem Maße demonstriert, niemals haben die zionistischen Politiker in solchem Maße das Fehlen jedes elementaren Volksinstinkts offenbart, wie in der Geschichte der Jemeniten-Kolonisation. Eine jemenitische Familie mit 5 Kindern hat 1 Dunam Boden bekommen, d. h. einen dreihundertsten Teil von dem, was ein aschkenasischer Kolonist von der ICA bekam. Man hat die Jemeniten nur neben dem aschkenasischen Kolonisten angesiedelt, damit sie, jeder anderen Wahl beraubt, ihm in die Falle laufen mußten. Den Arbeitslosen zahlte man anfangs 1V2 Bischlik, während jeder Araber 1V2—2 Bischlik pro Tag zu bekommen pflegte. In vielen Orten hat man die jemenitischen Einwanderer in Ställen ohne Zimmerdecke und ohne Fenster untergebracht. In Beer Jakob hat man für sie Häuschen wie Hühnerställe gebaut. In Machneh Jehuda, neben Petach Tikwah, wohnt die Hälfte der Jemeniten in Bretterbaracken, wo im Winter der Regen wie durch ein Sieb gießt, In Jemma hat man für sie Häuschen aus Blech gebaut, welche wirkliche Inquisitionsstuben geworden sind, weil sie in den Sommermonaten wie Kalköfen glühen und in ihnen vor Hitze und Dampf nicht auszuhalten ist. In keinem jemenitischen Jischuw gibt es bis heute, trotz aller Resolutionen, Wasser und die Jemenitenfrauen müssen es auf dem Kopfe aus den Kolonien bringen, oft kilometerweit und bergauf. In Sichron hat nian für die Jemeniten die sogenannte Merchaz-Straße bestimmt, die durch ihre unhygienischen malariazüchtenden Verältnisse bekannt ist und die früher unbewohnt war, weil die aschkenasischen Einwohner sie wie die Pest gemieden haben. In einem finstern Stall an dem Rande der Kolonie wohnen 8 Jemeniten, unter ihnen ein paralysierter Großvater und drei kranke Enkel,

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