Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 218 (sequence 7)
- Language
- German
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218 Salman Rubaschiow: galiläa haben die Kolonisten vom ersten Tage an einen erbitterten Kampf mit der Not ,zu führen, und in Untergaliläa sind sie bis über den Kopf in Schulden versunken; überall macht sich der Wucherer breit, und viele Kolonisten haben noch mehr Schulden als Subventionen. Für den Erfolg und Mißerfolg der reichen Kolonien Judäas ist nicht die Arbeit und die Höhe der Ernte ausschlaggebend, sondern die europäischen Krisen und der weitentfernte Markt. Vielfach trugen früher auch die korrupten Beamten und die uralten Steuersysteme der türkischen Regierung zu der Sachlage bei. Von der großen Einwanderung der letzten Jahre vor dem Kriege haben die Kolonien am wenigsten abbekommen: für Arbeiter gab es dort schon keinen Platz, und die Besitzenden ließen sich* in den Städten nieder. Petach Tikwah war die einzige Kolonie, die noch gewissermaßen als. Einwanderungsstätte galt; dort begann man nur mit besonderem Fleiß Plantagen für den Verkauf zu pflanzen, die Qualität der Wirtschaft fiel, die Preise stiegen und die Spekulation blühte. Und die Jahre des Krieges haben den wirtschaftlichen Ruin der Kolonien noch beschleunigt. Zuerst kam die „Suchra" (Kriegsbeschlagnahme), dann die „Wesiki" (Militärablösesteuer), dann die Heuschrecken, dann die Spionageverfolgung, dann drang der Krieg selbst in die Kolonien ein. Kfar Saba wurde ganz zerstört, Petach Tikwah und En Ganim waren vom Militär überfüllt, ganz Galiläa wurde erbarmungslos ausgesogen. Das einzige Glück war, daß während des Krieges die Getreidepreise stiegen, und die Ackerbaukolonisten konnten trotz allem sich über Wasser halten und manchmal sogar ihre alten Schulden bezahlen. Als der Krieg vorüber war, begann wieder der alte Lauf mit neuen Defiziten. Die reichste Kolonie Galiläas, Jabneel, deren öffentliche Ausgaben von der ICA gedeckt werden, wo für 42 jüdische Kolonisten 200 arabische Knechte arbeiten, wo jeder Kolonist sein Haus und sein Grundstück fast umsonst bekommen hat, und wo die ICA erst in diesem Jahre eine außerordentliche Anleihe von 100000 Franken bewilligt hat, abgesehen von den etwa 10000 Franken der amerikanischen Hilfsgelder, — dieses selbe Jabneel ist jetzt auf der Suche nach einer außerordentlichen Subvention. Die meisten Kolonisten haben Privatschulden, zahlen Wucherpreise, und annähernd die Hälfte der Kolonisten bemüht sich um neue Anleihen. In der reichsten Kolonie von Samaria, Sichron Jakob, in der die ganze Wirtschaft auf billigerer Arbeit aufgebaut ist und jüdische Arbeiter nicht zu. finden sind, in der die Schule, die Apotheke und der Arzt von der ICA unterhalten werden, die während des Krieges 150000 Fr. von amerikanischen Hilfsgeldern bekommen hat, ist die Gemeinde allein mit ungefähr 80000 Fr. Schulden beladen und fast 6o°/o der Kolonisten und Einwohner suchen wie mit einer Laterne nach Anleihen oder Unterstützungen bei Kolonisationsinstituten oder Privatpersonen. Und wie ist die Lage in der ältesten Kolonie Petach Tikwah, wo durchschnittlich 3000 billige arabische Arbeiter beschäftigt sind, wo die Barons-Millionen geflossen * sind und wo die Gemeindeausgaben von auswärts gedeckt werden? Allein der Krieg hat