Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 215 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die prlvatwlrtschaftllche Kolonisation in Palästina 2X5 flutlichen Bedingungen zu unerhört niedrigem Lohn arbeiten. Die Unterdrückungspolitik der Effendis der neusten Zeit trug noch viel zur Proletarisierung der arabischen Fellachen und Pächter bei. Und wenn in der Nähe die Zahl billiger Arbeitskräfte nicht zureicht, so sind sie leicht aus der Ferne herzuholen, selbst jenseits der palästinensischen Grenze. Und sollten auch die Bedürfnisse der Fellachen noch zu hoch sein, so wandern in der nächsten Nähe Beduinen herum, deren Lebenshaltung die des Urmenschen ist und die in der Tat zu jeder Saisonarbeit die jüdischen Kolonien mit ihren provisorisch aufgeschlagenen Zelten überfluten. Der erste, welcher zum Opfer fiel, war der jüdische Arbeiter. Es half ihm weder seine Treue zu Palästina, noch seine Hingabe zur Landwirtschaft, noch seine höhere Intelligenz, ja nicht einmal das aufrichtigste Wollen des Kolonisten selbst, einen Juden bei sich zu beschäftigen. Umsonst waren die beispiellosen Anstrengungen und die übermenschlichen Opfer der Arbeiter, die sich mit ihren Nägeln in den Boden der jüdischen Kolonien eingruben, um auf die so schwer errungene jüdische Arbeitsposition nicht zu verzichten. Freiwillig schränkten sie ihre Bedürfnisse bis zum Minimum herunter, schliefen im Stall des Kolonisten, nahmen den Lohn eines arabischen Charat, arbeiteten wie ein Vieh und wurden schnell zu Invaliden, um nur die Arbeit „um jeden Preis" zu erobern, und den jüdischen Charakter der Kolonie zu bewahren. Vergebens. Weder die Zionsliebe des Kolonisten, noch die lebhaften Proteste der national-radikalen Öffentlichkeit im In- und Auslande halfen. Der echte arabische Fellache blieb doch immer billiger als seine jüdische Nachahmung. Und der Kolonist, der seine Geldbilanz im Auge behalten mußte, war gezwungen, sein Herz zu verschließen und dem jüdischen Arbeiter die Tür zu weisen. Wohl geschah die Verdrängung des jüdischen Arbeiters aus der jüdischen Kolonie nicht schnell und nicht schmerzlos. Der nackte Kampf um den differierenden Arbeitslohn hüllte sich schnell in ideologische Gewänder: der arabische Arbeiter sei nicht nur billiger, sondern auch untertäniger und besitze ganz andere Vorstellungen von Ehre und Stolz. Wer einmal im Leben die Wollust erprobt hat, auf einem arabischen Charat und auf seinen Frauen und seinen Kindern herumzutrampeln, den zieht es danach unwiderstehlich zurück, wie den Säufer zum Alkohol. Um das Gewissen des Kolonisten zu beruhigen, und sich dem immer wachsenden Protest der jüdischen Jugend zu widersetzen, mußten auch national-politische, ja sogar religiöse Einwände in den Kampf hineingezogen werden: Der arabische Arbeiter müsse ebenfalls von der jüdischen Kolonisation genießen, damit er ihr nicht feindlich gegenüberstehe und an ihrer Förderung Interesse gewinne, was für die zionistische hohe Politik nicht «zu unterschätzen sei. Der jüdische Arbeiter sei nicht nur teurer und widerspenstiger, sondern er sei auch nicht fromm, habe manche gefährliche Ideen und könnte leicht zur Gefahr für die heranwachsende Generation werden. In der ältesten und größten jüdischen Kolonie, xn Petach Tikwah, nahm diese, in religiöse und nationale Gewänder gekleidete