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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 3
Article
Die landwirtschaftlichen Kwuzoth in Palästina
Date
1921-01-01
Page
195 (sequence 11)
Language
German
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Umschau: Kolonisation 195 An zweckmäßige Feriodisierung des G'etrelde- und Pflanzenwechsels? Woher soll denn da jener intime Zusammenhang zwischen dem Bauern und seiner Erdscholle entstehen, ohne den es kein Gedeihen gibt? Bei geordneter Wirtschaft wächst ein Arbeitszweig aus dem anderen hervor, und was an einem Punkte ausgegeben wird, das wird an einem anderen eingebracht; es besteht auch eine komplizierte mehrjährige Wirtschaftsgebarung, wo kein Teil vom anderen getrennt werden kann. In unserem Falle handelt es sich aber um eine jährliche und geldliche Wirtschaft: am Jahresschlüsse muß alles in bare Münze umgewandelt werden — denn es ist eben eine umgrenzte Budgetwirtschaft. Und da die Kwuzah nur für ein Jahr die Verantwortung hat, verstärkt dieser Umstand beim Arbeiter die Lust zum Wandern. Endet für ihn das Jahr an einem Ort nicht glücklich genug in materieller oder sozialer Hinsicht, versucht er es an einem anderen. Deshalb findet man auch jedes Jahr an jedem Punkte nicht bloß ein neues Budget und einen neuen Arbeitsplan, sondern auch oft ein neues Menschenmaterial. Man beginnt jedes Jahr alles von neuem, ohne jede Kontinuität Um die Jahreswirtschaft zu ermöglichen, mußten auch die meisten Kwuzoth auf Ackerbau gegründet werden: nur einfacher Ackerbau läßt sich auf die kurze Folge von „Sommer und Winter" einstellen. Und der Ackerbau brachte mit sich die arabischen Arbeitsmethoden, denn es gibt vorläufig für den jüdischen Kwuzah-Arbeiter in diesem Wirtschaftszweige kein anderes Vorbild als den arabischen Nachbarn oder den jüdischen Kolonie-Arbeiter, der ebenso beim Araber gelernt hat. Der arabische Pflug aber und das arabische Dreschbrett bringen auch arabische Ernten und führen also zum Defizit wenn sie die Bedürfnisse jüdischer Arbeiter bestreiten sollen. Diese notgedrungene Primitivität und Einseitigkeit der Ackerbauwirtschaft vermindert nicht nur die Produktivität der Wirtschaft, sondern verteuert auch die Arbeit selbst Die regnerischen Tage, sowie die diesen unmittelbar folgenden gehen ganz verloren in jenen Kwuzoth, die bloß auf Ackerbau gegründet sind, wenn auch die Arbeiter bemüht sind, indessen in Hof und Stall Arbeit zu finden. Der Apparat ruht und die Ausgaben übersteigen die Einnahmen. Eine große Störung der Weiterentwicklung bilden beim gegenwärtigen Zustand — Wo die Kwuzoth noch vereinzelt, zufällig und vereinsamt erscheinen — die Marktbedingungen. Das Mehl des kooperativ aufgebauten und modernen Daganiah ist ohne Zweifel besser als das der rückschrittlichen und privatwirtschaftlichen arabischen Abadiah. Beide müssen aber ihre Waren auf denselben Markt von Tiberias bringen, wo «och vorläufig keine Käufer für bessere Waren vorhanden sind und wo nur ein Preis herrscht — der von Abadlah. Der „Hamaschbir" ist noch vorläufig nicht imstande den Gesamtverkauf aus allen Kwuzoth zu organisieren und es gibt auch keinen Kwuzot-Verband, der alle Genossenschaften zu einem Organismus verbinden sollte. So muß die Kwuzah denselben Privathändler in Anspruch nehmen wie die privatwirtschaftliche Kolonie und sich fremden Gesetzen unterordnen, die in Widerspruch mit ihrem kooperativen Wesen stehen und ihren Fortschritt behindern. Deshalb halten sich die Kwuzoth, soweit dies möglich ist, dem Markte fern, züchten .Geflügel und pflanzen Gemüse nur für den eigenen Bedarf und kümmern sich wenig um solche Zweige der Hauswirtschaft, die unter besseren Verhältnissen eine bedeutende Einnahmequelle abgeben würden. Man darf auch nicht das Mehschenmaterial außer Acht lassen, aus dem die Kwuzah besteht: wohl ist der Neuling mit großer Treue und jugendlichem Trotz ausgerüstet, er bringt aber ins Land sehr wenige spezifische Kenntnisse mit. Die Kwuzah fungiert somit als Lehrfarm, und was kostet die Kwuzah diese landwirtschaftliche Erzie-- hung eines Arbeiters? Bei der künftigen Einwanderung wird stets die Zahl derer wachsen, die noch die Arbeit nicht kennen, und die Erziehungsnotwendigkeit sowie die Erziehungskosten werden überall größer werden. Indeß gibt es da keine Agronomen, keine Ingenieure oder Techniker, die wirklich an den Nöten der Arbeiterschaft teilnähmen, die ihren Wert verstünden, ihrem Milieu angehörten und ihr die eigenen Kentnisse und- Erfahrungen in den Dienst stellten. Neben diesen äußeren Schwierigkeiten — Gleichgültigkeit seitens der Leitung, Gegnerschaft von allen Seiten, Unsicherheit des Bodenbesitzes, das kurzbefristete Budget, Einseitigkeit der Wirtschaft, Primitivität der Technik und unaufhörlicher Mangel an Geldmitteln — bestehen noch viele innere Schwierigkeiten, die den ganzen Versuch komplizieren. Die Menschen, die da zusammentreffen, haben einander früher nicht gekannt, jeder von ihnen kommt aus einer anderen Welt und trägt eine andere Welt im Herzen. Wäre da wenigstens ein abgesonderter Winkel vorhanden, wo der Einzelne abends, nach gemeinsamem Essen, eine Weile mit sich allein bleiben dürfte, um sich nach dem Zusammensein von heute für das Zusammensein von morgen zu sammeln! Aber in den meisten Kwuzoth herrscht die größte Enge. Sogar in der geordneten Daganiah-Kwuzah wohnen 4 Chawerim in einem kleinen Zimmer, in Gan-Schmuel 6, in Kinereth 8, in Obergaliläa ist der Platzmangel unbeschreiblich. Gehört es denn wirklich zur kooperativen Wirtschaftsform — dieses Angewiesensein aller auf einen Wohnraum, dieses stete Leben draußen, das allerhand Zufällen und Unsicherheiten ausgesetzt ist, dieser zwölfstündige Arbeitstag, der noch in den meisten Kwuzoth

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