Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die landwirtschaftlichen Kwuzoth in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 191 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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Umschau: Kolonisation 191 Wert, aber kostete dafür noch mehr Opfer und Anstrengungen. Die verstreuten kleinen Kolonien des gesegneten aber verwahrlosten und entlegenen Obergaliläa, wo immer die ICA gewaltet hatte, bildeten von jeher den wunden Punkt den neuer! Jischuw. Das schöne aber arme Methulah stand immer am Rande des Untergangs. In Jessod-Hamaalah und in Mischmar-Hajarden war die Not von jeher zu Hause und Machnajim ging schon lange vor Kriegsausbruch zugrunde. An der Grenze des Landes liegend, weit vom Mittelpunkt entfernt, unterlagen diese Punkte stets mehr denn andere aller Gefahr. Aber gerade deshalb lockten sie die tapfersten unter den jüdischen Arbeitern an sich. Im Jahre 1916 zog eine Gruppe von 5 Arbeitern ins Dörfchen Nig'mat-Al-Zabach, das den Kolonisten von Rosch-Pinah gehörte, und Übernahm dort die Ackerbauarbeit um den Lohn eines Fünfteiles der Ernte. Da keine Wohnräume da waren, bezogen sie einen Stall ohne Dachboden und ohne Diele, schliefen auf kahlen Brettern, ernährten sich von Kleien- und . Surrogatenbrot mit Linsen und Gerstengraupen, was übrigens auch nicht immer da war. Arbeiten mußte man tags und nachts, denn es war damals gerade kein gutes Erntejahr und es drohte ein Defizit. Bald kam noch hinzu die Fieberkrankheit und die Dysenterie. Die Beharrlichkeit der Arbeiter ließ sich aber nicht lähmen. Und heute ist dies Dörflein die Kwuzah Ajeleth- Haschachar. Die Wohnungsnot ist dort noch heute ganz ungeheuer: alle 35 Arbeiter und Arbeiterinnen nehmen eine Stube und eine Baracke ein; Wasser ist noch immer nicht da; Fieber ist ein ständiger Gast. Aber der Ort ist erobert, und in den blutigen Monaten von 1920 war es der nördlichste Punkt des jüdischen Palästina — der gefahrvollste, der hartnäckigste — die Schutz- und Trutzavantgarde. Dieses nördliche Galiläa mit'seinen herausfordernden Gefahren und Geheimnissen lockte an sich hauptsächlich die Mitglieder des Haschomer. Alle unzerreißbar verbunden miteinander durch Fäden gemeinsamer Bluts- Opfer, hegten sie schon lange den Plan, ein Heim zu gründen für ihre zerstreute Gemeinschaft, für ihre Frauen und Witwen. In demselben Jahr, in dem Ajeleth-Hasch ach ar gegründet wurde, unternahm eine zweite Arbeitergruppe, unter Führung von Jissrolik Gileadi, die Bebauung des fast noch garnicht gereinigten Bodens in Chamarah (eine Stunde Fahrt von Methulah), der Eigentum der ICA war. Häuser waren dort noch keine, die Arbeiter mußten anfangs in Methulah wohnen, dann erbauten sie sich selbst eine Baracke. Es trat die Periode der Spionenjagd ein. Drei Chawerim wurden verhaftet. Ein Teil des Inventars wurde vernichtet. Zwei Jahre hindurch gab es Defizite. Im dritten starb der Gründer und Führer, Jissrolik Gileadi, der Vater des Kwuzah-Gedankens in Obergaiiläa,' nach dessen Namen Kfar-Gileadl benannt wurde. Feinden und Freunden schien der Untergang dieser genossenschaftlichen Siedelung sicher. Kfar-Gileadi ergab sich aber nicht, machte einen neuen Arbeitsplan und arbeitete weiter an diesem gefährlichsten von Opfern geheiligten Punkte. Da kam die französische Okkupation und die Beduinen-Ueberfälle. Fünf Monate lang hielt das Häuflein Kfar-Gileadier Arbeiter — gemeinsam mit der jüngeren Kwuzah von Tel Chaj und mit der jüngsten von Chamarah, unterstützt von nachbarlichen Kwuzoth-Arbeitern — den bewaffneten Räuberbanden in ungleichem Kampfe stand, umsonst den Waad-Hazirim um Hilfe anrufend. Am 11. Adar 5680 (1920), nachdem die Räuberbanden Chamarah und Tel Chaj zerstört hatten, waren auch die Chawerim der Kfar- Gileadi-Kwuzah gezwungen, die Zelte ihrer Hoffnung zu verlassen. Unter den feindlichen Feuerkugeln haben sie noch die sieben neuen Opfer von Tel Chaj — darunter Josef Trumpeldor und Sarah Tschishik — ins Grab gebettet. Und in einer Resolution, die später von den heimlos gewordenen Kämpfern angenommen wurde, heißt es: „Wir, Chawerim von Kfar Gileadi, die wir uns keinen Augenblick im Herzen von diesem Orte getrennt haben und gleich dahin zurückkehren werden, sobald die Zeit dafür kommt . . a Noch ehe die einsichtsvollen Kolonisationsleiter dieses Gebiet für gefahrfrei erklärt haben, kehrten die Treuen zurück und^ richteten von neuem die zerstörten Kwuzoth auf. Ein Jahr nach Kfar Gileadi und Ajeleth entstand die Kwuzah in Machnajim. Auch da — wie in ganz Obergaliläa — mit Unterstützung des Palästina-Arbeiter-Fonds Die Kolonie wurde von der ICA noch 1892 ins Leben gerufen, verlor aber indessen vollständig ihre Einwohnerschaft. Die Aufgabe war also, die Kolonie zu retten und darin eine neue Wirtschaftsform, auf der Grundlage kooperativer Arbeit und genossenschaftlichen Lebens, zu begründen. Die Bauern von Rosch-Pinah suchten auf alle Art die Sache zu erschweren. Die Erde war frühzeitig erschöpft, die Beziehungen zu den Nachbarn von jeher gespannt, die Häuser bis zur Unbewohnbarkeit zerstört, wobei keine Mittel für Reparaturen gegeben wurden. Trotz alledem hatte schon das erste Jahr einen außerordentlichen Erfolg zu verzeichnen. Nach Auszahlung der Schulden für Arbeitslöhne (57 Fr. monatlich für jeden) und nach Deckung des Gesamtbudgets, das 18.000 Fr. ausmachte, blieb noch ein Überschuß von 6000 Francs. Außer Machnajim und Ajeleth- Haschachar besitzt gegenwärtig (1920) Obergaliläa noch die Kwuzah Birijah in Safed und eine Kwuzah auf dem Berge Kanaan, die den Boden einer Achusah bebaut. So erwuchs inmitten des Leidens die schöpferische Tat. Bei Kriegsausbruch be-