Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die landwirtschaftlichen Kwuzoth in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 189 (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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Umschau: Kolonisation 189 ihre Produkte aufzukaufen. In den Hungerjahren wurde der Hamaschblr wirklich zum Ernährer des gesamten jüdischen Jischuw. Gleichzeitig entstanden während des Krieges eine Reihe neuer Kwuzoth. Da die Mitglieder der im Auslande gegründeten Achusoth noch nicht im Lande waren, setzte das Palästinaamt, um den erworbenen Boden nicht unbearbeitet zu lassen, zeitweilig bis zur Ankunft der Siedler — die Kwuzoth-Wirtschaft der „Eroberungsa-Zeit fort. Solche Kwuzoth wurden kurz vor Kriegsbeginn gegründet: in Kalandijah, in En-Chai, in Karkur, in Sarona. Indessen machte der Nationalfonds einige neuen Käufe. In Emek Jesreel wurden 22000 Dunam erworben — ein Gebiet, das umfassender ist als der gegenwärtig von allen Kwuzoth zusammen bearbeitete' Boden, das also die landwirtschaftliche Arbeiterschaft Erez Israels verdoppeln könnte. Aber in der Kriegszeit konnten die Erstehungsformalitäten nicht völlig erledigt werden und die Angelegenheit blieb in der Schwebe. Dreiviertel das gekauften Bodens wurden deshalb an die Araber des benachbarten Nazareth verpachtet, gegen 6000 Dunam wurden an die amerikanische Achusah der „Kehilath- Zion" verkauft, die inzwischen zu arbeiten begonnen hat („Balfouria"), und auf einem Gebiete von 6000 Dunam wurde die Kwuzah Tel-Adas gegründet, die ursprünglich hauptsächlich aus Schomrim-Mitgliedern bestand. Die alten Nationalfonds-Farmen, Ben-Schemen und Chuldah, wo ein Herzl-Wald errichtet werden sollte, lösten sich während des Krieges von ihrer Administration und wurden zu Arbeiter-Kwuzoth. Während der Auswanderung der Deutschen pachtete bei ihnen das Palästinaamt einen Bodenumfang von 2000 Dunam neben Haifa, wo die Kwuzah Tirah gegründet wurde. Aber auch unter der Arbeiterschaft in" den Kolonien ist während der Kriegsjahre etwas Neues vor sich gegangen. In den Pflanzungskolonien von Judäa geschah es oft, daß der Koloniebesitzer die Bebauung seiner Bajaren (Orangenanlagen) einem Unternehmer überließ, dem die Gesamtleistung dann bezahlt wurde. Der Unternehmer pflegte selbstverständlich mit gedungenen Kräften zu arbeiten und — ebenso selbstverständlich — nicht mit jüdischen. Einzelne Arbeitergruppen haben nun während der Kriegszeit versucht, den Unternehmer zu vermeiden und die Arbeit direkt vom Kolonisten gegen dieselbe Zahlung zu übernehmen. Der materielle Unterschied zwischen den Bedürfnissen jüdischer und arabischer Arbeiter wurde in solchen Fällen durch den Verdienst des Unternehmers gedeckt, der jetzt also der Kwuzah zukam, und durch das Kommune-Leben der Chawerim. Die erste solche Arbeitsgenossenschaft entstand in Petach-Tikwah unter dem Namen Achwah; später kamen noch hinzu: Amal, Awodah, Achim, (ebenfalls in Petach Tikwah), dann in Kfar-Ssaba, in Kfar Malul und andere In Sichron übergab die ICA einer Arbeitsgruppe unter solchen Bedingungen den Chaussee-Bau zwischen Sichron und Burgy. Eine zweite Arbeitergruppe übernahm Steinklopferarbeit bei einem Privatbesitzer. In Ekron übertrug das Palästina-Amt Pflanzungsarbeit unmittelbar an die Arbeiter. Neben diesen Erfolgen auf vorher vorbereiteten Wegen errang die Kwuzah während des Krieges zwei wichtige neue Positionen, die der ganzen Bewegung neue Horizonte eröffnen sollten: die Mädchen-Kwuzoth und die Stützpunkte in Ober-Galiläa auf dem Boden der ICA. Die Arbeiterin-Pionierin kam ins Land gleichzeitig mit dem Arbeiter und durchlitt hier gleich ihm alle Phasen der jüdischen Arbeiterbewegung. Zusammen mit ihrem Bruder arbeitete sie beim Kolonisten, zusammen ging sie unter das schwere Joch des Haschomer, zusammen machte sie mit das zukunftsreiche Experiment von Sedschere und Chederah, gleich ihm trug sie das Opfer des Selbstschutzes — in all den schweren Jahren des Krieges, der Reaktion, der Verfolgungen, der enttäuschten Hoffnungen — bis in die Heldentage von Tel Chaj und Kfar Gileadi. Aber in der Kwuzah selbst trennten sich die Rollen der Arbeiter und der Arbeiterinnen, wie von selbst, „natürlicherweise". Die Erbschaft des Stadtlebens und der kapitalistischen Familie durchdrang auch die neuen Lebensformen des freien jüdischen Arbeiters. Der Mann arbeitete auf dem Felde, sorgte um das Vieh, führte die Geschäfte, die Frau fand ihren Platz in der Küche, backte Brot und wusch Wäsche. Indess war die junge Pionierin, die von der .Stadt herkam, meistens aus der Schule und aus dem Gymnasium, von vornherein solcher Arbeit nicht gewohnt und dafür nicht vorbereitet. Der Traum, der sie herzog, war: selbständige Arbeit im Felde, gleich dem Manne, gemeinsame Verantwortung, wie gemeinsames Suchen nach neuen Lebenswegen und gemeinsame Freuden am Suchen und Finden. Nicht allein Gleichberechtigung in der Vewaltung wollte sie, sondern auch gleiche Pflichten und gleiche Rechte in der Wirtschaft; im Felde, im Garten, , im Schutzdienst. Dazu war noch die Führung der Hauswirtschaft mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden: es bestanden keine notwendigen Hilfsmittel, keine technischen Befehle, die die Arbeit in der Küche und in der Wohnung erleichtern könnten; dafür hat die Kolonisationsbehörde, die — ebenso wie der Privatkolonist im Dorfe — stets auf der Jagd nach billiger Arbeit ist, niemals Geld hergegeben: willigte doch diese Behörde in die Kwuzothwirtschaft nur notgedrungen ein. und nur provisorisch, um die schwere Zeit zu überwinden. Der Wassermangel, der Mangel an Lebensmitteln, die Ferne der Stadt — das alles belastete schwer die Arbeiterin, die die Hauswirtschaft zu führen hatte. Ueberdies