Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 165 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden populärsten dieser Gebete jedoch wie auch die dazu gehörige Auswahl der einzelnen Psalmengruppen sind dem vom Kabbalisten R. Ahron Berachjah aus Modena (starb 1639) verfaßten allgemein verbreiteten Werke „Maabor Jabbok", das von den Pflichten gegenüber Kranken, Sterbenden und Toten handelt und gleichzeitig darauf bezügliche Spezialgebete enthält, entnommen. Die den Gebetbüchern beigedruckten Gebete für die Genesung von Kranken stammen zu allermeist aus dem „Maabor Jabbok" und sind, wie fast alles in diesem Buch, mehr oder weniger von kabbalistischem Geiste getragen. Neben den Spezialgebeten und den Psalmenserien werden auch Gruppen verschiedener Verse aus der ganzen übrigen heiligen Schrift gesagt, in deren Zusammensetzung der nicht kabbalistisch Gebildete oft weder äußeren noch inneren Zusammenhang sieht, die aber nach Ansicht ihrer kabbalistischen Redakteure doch wohl, wenn auch nicht jedem sichtbar, innerlich zusammenhängen und durch ihren besonderen Inhalt, wenn sie gesagt werden, eine wirksame Segulla für die Genesung eines Kranken sein sollen. Natürlich wird noch überdies, außer den oben erwähnten Psalmgruppen, Gebeten und Bibelversen auch der ganze Psalter gelesen und nach Schluß eines jeden Psalmbuches das dazu gehörige, den meisten Gebetbüchern für die Genesung eines Kranken beigeschlossene Gebet, unter Nennung des Namens des Kranken, gesagt. Eine ganz besondere Bedeutung kommt beim Beten für einen Kranken dem Psalm 119 zu. Dieser Psalm ist alphabetisch aufgebaut. Je acht Verse beginnen, in genauer Reihenfolge, mit demselben Buchstaben. Dieser Psalm wird deswegen im jüdischen Schrifttum kurzweg „Tamnaja appi" d. h. der achtfache, genannt. Es gilt als ganz hervorragende Segulla, solche Verse herauszusuchen und hintereinander zu sagen, deren Anfangsbuchstaben" den Namen des Kranken ergeben. Von manchen werden hierauf die aus dem Neujahrsritus bekannten, zur wirksamen Bekämpfung des Satans von der Kabbala empfohlenen sechs Verse u. zw. Threni 3, 56, Psalm 119, 160, 122, 162, 66 u, 108 gesagt. Die Anfangsbuchstaben dieser Verse ergeben die Worte „Kra Satan", d. h. Vernichte den Satan, der nämlich im Himmel zuungunsten des Kranken unter Hervorsetzung seiner Sünden wirken wollte. Die Formel „Kra Satan" bildet auch die Anfangsbuchstaben des zweiten Verses des von kabbalistischer Seite . in unseren täglichen Ritus hereingebrachten, fälschlich dem Tannaiten Nechunjah ben Hakkaneh zugeschriebenen Gebetes „Anah bekoach". Die Anfangsbuchstaben der Worte dieses sieben Zeilen in Gedichtform und zweiundvierzig Wörter enthaltenden Gebetes ergeben den kabbalistischen, aus zweiundvierzig Buchstaben bestehenden Namen Gottes. (Siehe ^Emek ha melech" Blatt 59 Seite 2. „Seder hajom" von Moses ben Machir Ausgabe Zitomir 1868, Blatt 32 Seite 2 und Berliner: Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuche Seite 59.) Den Gebeten für einen Kranken wird von manchen, wegen seiner besonderen Heiligkeit und schützenden Wirksamkeit, auch das oben genannte „Ana bekoach" beigefügt