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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 3
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
164 (sequence 6)
Language
German
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164 Samuel Rappaport: ersten Gelegenheit, sobald er nur einige Minuten freier Zeit hat, auf einmal oder in getrennten Abschnitten sein Pensum Thillim zu absolvieren. Oft sieht man in Gasthäusern, während der Fahrt im Wagen oder gar auf dem Markt einen Ostjuden in stillem singenden Ton ins Psalmenlesen versunken. Der ganze Psalter, der wie bekannt, nach traditioneller Anordnving, aus fünf Büchern besteht, wurde zu diesem "Zweck, entsprechend den sieben Tagen der Woche, in sieben Partieen geteilt, so daß jeder die für jeden Tag bestimmte Partie in seinem Gebetbuche leicht findet In allen ausführlicheren im Osten gedruckten Gebetbüchern, denen der Psalter beigegeben ist, sind die für jeden Tag der Woche bestimmten Kapitelserien genau geordnet, ebenso in den kleinen in Taschenformat herausgegebenen Sonderausgaben des Psalters. In den für den chassidischen (sephardischen) Ritus bestimmten Gebetbüchern und Psaltern, sind auch überdies die Psalmen entsprechend den Tagen des Monats in achtundzwanzig bezw. neunundzwanzig Partien geteilt, so daß, wenn keine Zeit für das große Tagespensum zur Verfügung steht, man sich auch mit einer dem Monatstage entsprechenden kleineren Kapitelmenge begnügen kann. Es gibt aber viele, darunter auch nicht wenige ältere Frauen, die wenn nur möglich täglich den ganzen Psalter sagen. In Momenten der Not und Bedrängnis ist es der Psalter, durch den das schmerzerfüllte Herz den Weg zum Himmel findet, und so ist er es auch, zu dem, wenn es sich um Genesung eines von Schmerz und Leiden geplagten Kranken handelt, in erster Linie Zuflucht genommen wird. „Thillimsagen" gilt seit allersher als beste und wirksamste „Segulla" gegen Krankheit. In der Regel ist es der ganze Psalter, der in solchen Fällen gesagt wird, da allen seinen Kapiteln dieselbe Heiligkeit und Bedeutung zukommt. Mit Rücksicht jedoch auf die Verschiedenheit des Inhalts wurden, zumeist über kabbalistische Empfehlung, von den hundertfünfzig Kapiteln des Psalters diejenigen ausgesucht, die als Bitt- und Bußpsalmen, besonders wenn es sich um ganz intensives und inbrünstiges Beten für einen Kranken handelt, für einen solchen Zweck sich eignen und die ganz individuell und in einer Gruppe oder in verschiedenen Gruppen vereinigt mit besonderem Nachdruck, in Verbindung mit anderen für einen solchen Fall bestimmten Gebeten, gesagt werden sollen. Vorzüglich sind es die folgenden Psalmen, die hier in * Betracht kommen: 2, 6, 9, 13, 16, 17, 18, 20, 22, 23, 24, 25, 30, 31, 32, 33» 37» 33, 39» 4h 49» 5*» 55» 56» 66» 67, 69, 84, 86, 88, 89» 9<>, 91» 102, 103, 104, 107, 116, 118, 120, 121, 123, 128, 140, 141, 142, 143, 148, 149. Diese Psalmen sind teils ihres offenkundigen Inhalts wegen teils auf besondre kabbalistische Empfehlung gewählt. Sie werden in verschiedenen kombinierten Gruppen vor und nach den ausschließlich für die Genesung von Kranken bestimmten Spezialgebeten gesagt Die Menge der für die Genesung der Kranken verfaßten Gebete ist sehr groß. Die meisten Ritualbücher und insbesondere die auf der Kabbala gegründeten enthalten mehrere solcher Gebete. Die allermeisten und

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