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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 2
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
118 (sequence 10)
Language
German
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118 Samuel Rappaport: in Regensburg) gegen den Glauben mancher, daß wenn eine Flamme sich aus der Kohlenglut erhebt, dann ein Gast komme — unter Gast dürfte hier ein wahrscheinlich verhüllter unliebsamer feindlicher Besuch oder- Ueberfall gemeint sein — und wenn man diese Kohlen im Wasser verlöschen läßt, dieser Gast dann gleichzeitig ins Wasser falle. Es gibt keinen größeren Zauber — meint R. Jehudah ha-Chassid — als diesen. Es sei zwar bewiesenermaßen wahr, daß dieser Zauber sich oft bewahrheite; es sei dies aber bloß ein Werk des Satans, der, wenn er diese Zauberei jemand treiben sieht, sage: nun gehe ich hin und werfe diesen Gast ins Wasser, damit ich den Zaubertreibenden irre führe und er mir für immer verfalle. (Sefer Chassidim No. 59.) Dem „Kohlenlöschen" scheint die Vorstellung zugrunde zu liegen, daß indem die glühenden Kohlen — unter Willenskonzentration dessen, der das Kohlenlöschen vornimmt — ins Wasser geworfen werden und verlöschen, mit den in ihnen hausenden dämonischen Kräften, gleichzeitig auch jene, die auf den unter dem Einfluß des bösen Auges .Erkrankten einwirken, ausgelöscht werden. Das Kohlenlöschen wird in der Regel durch Frauen vorgenommen. Nur selten gibt es einen Mann, der diese Handlung genügend bedächtig und mit dem hierzu unbedingt notwendigem gläubigen Ernst vornehmen könnte. Die Art und Weise des Kohlenlöschens ist in manchen Gegenden und Kreisen verschieden. Das Prinzip jedoch ist überall das gleiche, nämlich: das Werfen glühender Kohlen in ein durchsichtiges Glasgefäß; dies, damit man die Lage der im Wasser gelöschten Kohlen genau beobachten könne. Die verschiedenen Prozeduren des Kohlenlöschens differieren in der Zahl der ins Wasser zu werfenden Kohlenstücke, der Menge des Wassers sowie der Verschiedenartigkeit der dabei zu sagenden Sprüche bezw. Beschwörungen, sowie auch darin, daß manche etwas Kochsalz ins Wasser tun, bevor die Kohlen hineingeworfen werden. Die zu allermeist verbreitete Art des Kohlenlöschens ist folgende: Im Zimmer, in dem sich der vermutlich vom bösen Blick Getroffene befindet, werden in ein, etwa zu dreivierteln, mit im Zimmer abgestandenem Wasser gefülltes durchsichtiges Glasgefäß mehrere glühende Kohlen geworfen. Eine andere Vorschrift verlangt gezählte sieben Kohlenstücke, wobei beim Einwurf eines jeden Stücks der Bibelvers leise gesagt werden soll: „Das Volk schrie zu Moses und Moses betete zu Gott und das Feuer versank" (Numeri 11.2). Je nach der Läge der nunmehr verlöschten Kohlenstücke im Wasser meint man mit Bestimmtheit feststellen zu können, ob der Erkrankte schwer oder nur leicht, oder gar überhaupt nicht von einem bösen Blick getroffen worden sei. Manche meinen sogar, aus der Lage der Kohlen im Wasser auch ermitteln zu können, ob der böse Blick von einem Mann oder von einer Frau gekommen sei. Man denkt dann nach, und sucht sich zu erinnern, mit wem der Erkrankte kurz vorher gesprochen habe, oder von wem er um diese Zeit gesehen worden sei, und beginnt dann Vermutungen anzustellen, wessen Auge ihn so schwer habe treffen können. Erinnert man sich,

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