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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 2
Article
Die Zünftigen und die Draußenstehenden
Date
1921-01-01
Page
81 (sequence 3)
Language
German
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Die Zünftigen und die Draußenstehenden 81 Fremden, treibt „nur" die innere Berufung. Sogar die Fremden, die zum Judentum übertraten, haben dieses bereichert und mit Gütern beschenkt, die Männer jüdischen Geblüts aus sich allein nicht geschaffen hatten. Es gab einmal eine Zeit, da hatten wir eine enge Verbindung zwischen dem sich entwickelnden strengen Rabbinismus und der griechischen Welt, im zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Hätten wir sie auf die Dauer behalten, dann wäre der Lauf des Judentums und der Gang der Welt vielleicht ein anderer geworden. Ihre Frucht war unter anderem die seit langem verschollene Bibelübersetzung des Akylas. Dieser gelehrte Mann aber, der die Thora und den beginnenden Talmud in griechischer Sprache den griechisch redenden Juden der Diaspora und den Hellenen zugänglich machte und darum in der Geschichte des rabbinischen Judentums eine ehrenvolle Rolle spielt, war nicht etwa ein Jude, sondern ein Fremder in vielfachem Grade, ein „Ger" aus dem Pontus, also wohl ein hellenisierter Armenier, der zum Judentum übergetreten war. Von Abstammung ein Kleinasiate, von Kultur ein Grieche, von Bekenntnis ein Jude, aber kein wurzelhafter und bodenständiger Jude, sondern halbfremd in allen drei Reichen. Und gerade er hat geleistet, was jedem reinen Juden viel schwerer gefallen wäre. Innerhalb des Judentums selbst standen sich in jenen ereignisreichen Jahrhunderten zwei Klassen scharf als Feinde gegenüber, die Chachamim und ihre erbitterten Gegner, die Arne haarez. Die ideale Verkörperung des Rabbi aber wurde ein Amhaarez, der den Weg in das Lager der Chachamim and, und die Zukunft hat keinen von den Meistern der Mischna und des Talmud mehr gefeiert, als eben diesen Akiba, der in seiner Jugend ein grimmiger Hasser der Weisen gewesen war und nach seinem eigenen Bekenntnis nach ihnen gebissen hatte wie ein Esel. Spät und nach vielen Wandlungen erst fand er den Anschluß an sie. Dann aber entzündete er unter ihnen Gedanken, die in der reinen Ueberlieferung von Esra und den Männern der großen Synode nicht gewachsen waren. Nicht nur im Judentum, sondern allenthalben begegnet uns diese gleiche Erscheinung. Der Fremde kann die Wünschelrute besitzen, die dem Eingeborenen versagt sein kann. Das lehrt die Geschichte einer jeden Wissenschaft. Es gab immer Einrichtungen, die für diese von Rechtswegen zu sorgen hatten, und Männer, die amtlich berufen sind, sie zu pflegen und zu verkünden, Universitäten und Professoren. Ihnen verdankt die Menschheit einen großen Teil ihrer Erkenntnis. Aber gewiß nicht die ganze. Neue Gedanken, die nachher der Forschung auf Jahrhunderte ihre Bahn gewiesen haben, sind vielmehr oft von Unzünftigen zuerst ausgesprochen worden, die außerhalb des Betriebes der Wissenschaft standen . . . Nehmen wir als Beispiel die moderne Bibelwissenschaft. Ein Gedanke, von dessen Prüfung und Ausbildung sie seit 200 Jahren lebt, auf dem die ganze moderne Bibelkritik beruht, ist nicht von einem berufenen Gelehrten gefunden worden, sondern von einem Laien, der sich auf eigene Faust eine merkwürdige Erscheinung zurechtlegte. Es war ein Arzt, Jean Astruc, der im 18. Jahrhun-

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