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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 1
Article
Aus dem Leben des Rabbi Israel von Kosnitz
Date
1920-01-01
Page
43 (sequence 2)
Language
German
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Aus dem Leben des Rabbi Israel von Kosnitz 43 Ein Gebet Der Kosnitzer sprach zu Gott: „Herr der Welt, ich bitte dich, du mögest Israel erlösen. Und willst du nicht, so erlöse die Gojim!" Ein an d e r es G e b et Einmal sprach der Maggid von Kosnitz: „Ich stehe vor dir, Gott, wie ein Botenknabe und warte, wohin du mich schickst." Die Verschmähte Eine Frau klagte dem Kosnitzer Maggid weinend, daß ihr Mann sich von ihr abgewandt habe und sie häßlich nenne. „Und vielleicht bist du in der Tat häßlich?" sagte Rabbi Israel. „Rebbe," rief die Frau aus, „war ich ihm unter dem Trauhimmel nicht schön und lieblich? Warum bin ich nun schwarz geworden?" Da erfaßte den Maggid ein Zittern, und er konnte nur mit Mühe der Frau den Trost zusprechen, er wolle beten, daß Gott ihr das Herz ihres Mannes wieder zuwende. Als sie gegangen war, redete er zu Gott: „Gedenke dieses Weibes, Herr der Welt, und gedenke Israels. Als Israel am Sinai gelobte: ,Wir wollen tun und vernehmen' und du es erkorst und dir antrautest, war es dir nicht schön und lieblich? Warum ist es nun schwarz geworden?" Kasteiung Zum Kosnitzer Maggid kam einst ein Mann, der zur Kasteiung einen < Sack am bloßen Leibe trug und je von Sabbat zu Sabbat fastete. Der Maggid sprach zu ihm: „Meinst du, der Böse Trieb scheue dich! Er narrt dich in den Sack hinein! Besser noch ist es um den, der vorgibt, von Sabbat zu Sabbat zu fasten, und insgeheim sich alle Tage ein paar Bissen zusteckt: er betrügt nur andere, du aber bist dir selber ein Trug und eine Täuschung". Mit einem Blick Der iunge Zwi Elimelech hörte einst bei der dritten Sabbatmahlzeit seinen Lehrer, Rabbi Mendel von Rymanow, sagen: „Wer im Geschlecht des Maggids von Kosnitz lebt und es versäumt sein Angesicht zu sehen, der wird, wenn Messias kommt, nicht gewürdigt werden dessen Angesicht zu schauen". Sowie man das Licht auf den Tisch stellte, verabschiedete sich Zwi Elimelech vom Rabbi, nahm den Stock in die Hand und den Ranzen auf die Schultern und wanderte Tage und Nächte durch fast ohne Rast nach Kosnitz; denn wer weiß, ob Messias nicht in dieser Woche kommt? In Kosnitz angelangt, ging er geradenwegs in das Lehrhaus des Maggids, ohne Stock und Ranzeh

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