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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 1
Article
Aus dem Leben des Rabbi Israel von Kosnitz
Date
1920-01-01
Page
42 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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42 Martin Buber: MARTIN BUBER / AUS DEM LEBEN DES RABBI ISRAEL VON KÖSNITZ*) Siechtum und Stärke Israel, der Maggid von Kosnitz, der seinen Eltern in hohem Alter nach der Verheißung des Baalschem geboren war, siechte von Jugend auf. Sein Leib war wie dürres Holz und so hager, daß sich die Aerzte verwunderten, wie er leben könne. Er lag zumeist in Hasenfelle gehüllt auf seinem Ruhebett. Wenn er sich erhob, mußte er, da seine Füße keinen Schuh vertrugen, bärenfellgefütterte Pantoffeln anziehn, lim stehen zu können. Ins Bethaus trug man ihn in einem Liegestuhl. Da aber, sowie er an der Schwelle gesprochen hatte: „Wie furchtgewaltig ist dieser Ort", verwandelte er sich. Montags und Donnerstags, an den Tagen, an denen aus der Schrift verlesen wird, ging er in Tallit und Tefillin, die Thorarolle im Arm, so leichten Fußes durch die zwei wartenden Reihen, daß die ihn rechts und links begleitenden Diener mit den Fackelkerzen ihm kaum folgen konnten, neigte sich im Tanzschritt gegen die heilige Lade, in die er die Rolle legte, tat einen zweiten Tanzschritt gegen das Pult, auf dem die Menora stand, und stellte die Kerzen hinein. Dann sprach er mit seiner gewohnten schwachen Stimme die ersten Worte des Gebets, aber mit jedem Worte wuchs die Stimme, bis sie die Herzen aller emporriß. - Wenn nach dem Beten die Diener ihn im Liegestuhl heimtrugen, war er blaß wie ein Sterbender, und seine Blässe leuchtete. Darum sagte man von ihm, sein Leib leuchte wie tausend Seelen. Als er einmal zu einem Beschneidungsfest geladen war und in den Wagen steigen sollte, traten ein paar Leute hinzu, um ihn hineinzuheben. „Ihr Toren", sprach er, „wozu bedarf ich eurer Kraft? Es heißt: die auf Gott harren, werden Kraft eintauschen. Ich tausche meine Kraft mit Gott; der hat Kraft genug." Und er sprang in den Wagen. Der Rock Was immer der Kosnitzer sprach, es klang, wie wenn er betete, nur sehr viel leiser und schwächer. Er liebte es, Sprüche und Verse des polnischen Bauernvolkes vor sich hinzusingen. Nach einem Purimmahl, das er in großer Freude abgehalten hatte, sprach er: „Gut sagt das Volk: Ohne Rock bei Tanz und Schmaus, Liebe Seele, toll* dich aus. Aber welch ein wunderlicher Rock ist doch der Leib!" Auch zu Gott sprach er mitunter polnisch. Wenn er allein war, hörte man ihn zuweilen sagen: „Moj kochanku", das ist: Mein Liebster. *) Aus dem demnächst bei Rütten &. Loening in Frankfurt a. M. erscheinenden Buch „Der große Maggid und seine Nachfolge.** -

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