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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 1
Article
Kunsterziehungsfragen
Date
1920-01-01
Page
38 (sequence 4)
Language
German
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38 Else Bodenhe'imer-Biram: Mag solche Einsicht dazu führen, daß der Weg beschritten wird zu klarerer Praxis, so ist noch die Frage aufzuwerfen, ob wir ein Recht haben, das Formideal einer Minderheit — der sogenannten Gebildeten •— auf die große Masse des Volkes zu übertragen*). Zucker stützt sein Werk, hebräische Monographien herauszubringen, auf die begründete Ansicht, daß das Buch dem Juden gleichviel welcher örtlichen und sozialen Provenienz zugänglich und gemäß ist. Dieser Weg ist — wie alle von ihm aufgezeigten — durchaus nicht zu verwerfen. Aber die Einwirkung von Aufnahmebereitschaft auf das Kunstschaffen ist illusionär, wenn sie in der Anschauung stecken bleibt. Hier droht die Gefahr des Aesthetizismus. II. Die Erziehung zur Kunst hat schon in der Schule einzusetzen, sie muß sich zur Aufgabe machen, Kinder zu gestaltenden Menschen zu bilden, sie schaffen zu lehren, nicht ihnen von Kunst zu sprechen. Es ist also kein neues Unterrichtsfach, das eingeführt werden soll, vielmehr ein anderes Unterrichtsprinzip. Die „Arbeitsschule" versucht eine solche Produktivierung durch Förderung der Handgeschicklichkeit wie durch Entstofflichung des geisteswissenschaftlichen Unterrichts, in dem mehr Quellen erschlossen als fertige Ergebnisse gelehrt werden sollen. In den ersten Schuljahren wird vom Gegenständlichen aus die Umwelt des Kindes zu erfassen gesucht. Spielend lernt es beim Malen, Ausschneiden, Stäbchenlegen und Formen Namen und Eigenschaften der Dinge kennen und denkt sie in Beziehung zu seiner eigenen Erlebnissphäre. Die aus Versuchen gewonnene Erfahrung, daß das kleine Kind nicht malt, um etwas nachzuahmen oder ein ästhetisches Gefühl zu äußern, sondern um einen Gedankengang auszudrücken, wird ebenso erziehlich verwertet wie von der Schaffensfreude ausgehende Impulse. Diese Eindrücke bleiben späterhin nicht wirkungslos und bestimmen die Ideenrichtung des werdenden Menschen. Besonderer Wert wird im ganzen Schulplan auf Mal-, Zeichen-, sowie Handfertigkeitsunterricht gelegt. Dieses Formen der Körperwelt und durch sie Geformtwerden ist Ziel der Arbeitsschule im engeren Sinne. Darüber hinaus will die Arbeitsschule im weiteren Sinne auch den geistigen Inhalt gleichsam formen. Der große Wissenstoff des bisherigen Schulbetriebs soll Einschränkung erfahren, zumal in der Richtung von Gedächtniskenntnis. Der Schüler soll mehr dazu angehalten werden, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, Wissen selbständig zu erarbeiten, als Stoff um seiner selbst willen aufzunehmen. Die Durchdringung des geisteswissenschaftlichen Unterrichts mit diesem ideologischen Arbeitsprinzip ist noch Programm, während Selbstbetätigung im Werkunterricht vielfach schon geübt wird. Diese von der Volksschule ausgegangene Reform wird von den Mittelschulen nur soweit nachgeahmt, *) s. Hoeber, Ueber Werkbundarbeit, im Juliheft 1920 der „Neuen Rundschau*. Hoebe stellt ein ähnliches Programm auf, wie ich es vertrete und vertreten habe.

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