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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 1
Article
Probleme der jüdischen Wanderung
Date
1920-01-01
Page
25 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Probleme der jüdischen Wanderung 25 sind sie einmalige, d. h. vorübergehende. Diese treten fast stets als Auswirkung von angewandter Gewalt auf, so die Deportationen nach Babylönien, die Austreibungen von Italien, Spanien, Portugal, England, Frankreich, Deutschland usw., Wegführung Gefangner nach Rom. Seltener treten sie auf als beständige Einwirkung auf die religiöse Freiheit oder die Rechtsposition. Dafür sind Beispiele einerseits die Auswanderung aus Babylönien Ende des 5. Jahrhunderts, hervorgerufen durch die Bemühungen der persischen Geistlichkeit, die Juden zu bekehren, andererseits die Rechtsbedrückung der Juden-in Rumänien. Zu dieser Kategorie sind auch die seltenen Fälle zu - zählen, in denen Juden aus idealen Motiven wandern, so die Rückkehr aus Babylönien auf Grund der Erlaubnis des Kyros und die Auswanderung nach dort nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Zu einem anderen Teil sind die äußeren Anlässe gesetzmässige, d. h. dauernde. Diese beherrschen die jüdische Wanderung überwiegend. Schon die Emigration, die mit dem Beginn des Hellenismus einsetzt, geht parallel mit der Verlegung der damaligen Handelswege und deutet an, daß Fragen der Existenz bestimmend gewesen sind, Wohnsitz und Umgebung zu verlassen und sich damit gleichsam für alle Zeit in Abhängigkeit von der Umgebung zu begeben. Daß die Juden dem veränderten Wege des Handelsverkehrs folgen, daß sie in Alexandria als große Händler wohnen, daß eben der Handel sie nach Italien und durch das ganze Mittelalter hindurch als typische Vertreter des Handelsstandes durch das Europa nördlich der Alpen und weit hinein nach dem Osten führt, macht offensichtlich die durch die jeweilige Lage des Handels in den einzelnen Ländern bedingte Existenzmöglichkeit der Juden zu einem dauernden Anlaß. Diese Bedingtheit wird noch klarer, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Juden von der babylonischen Epoche an bis zum Beginn des Mittelalters im wesentlichen von Ländern niederer in Länder höherer Kultur (und damit zugleich entwickelterer Wirtschaftsorganisation) und, abgesehen vom Osten, für den diese Richtung noch bis zum Ende des Mittelalters gilt, mit Beginn des Mittelalters bis zum Beginn der Neuzeit aus Ländern höherer nach Ländern niederer Kultur wandern. Im ersteren Falle fanden ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten in dem Gefüge der Umgebung schon, im letzteren Falle noch Betätigungsmöglichkeiten. Um zu beweisen, daß dieser Anlaß nicht nur ein dauernder, sondern auch ein gesetzmäßiger ist, muß die Natur dieser Wanderungen untersucht, d. h. dargestellt werden, wer wanderte und in welcher Eigenschaft die Juden wanderten. Der Charakter der jüdischen Wanderung. In den früheren historischen Zeiten wanderte das ganze jüdische Volk- Es gab keine Differenzierung. Diese tritt uns in der einfachsten Form erst bei der Rückkehr aus Babylönien entgegen. Die Rückwandernden sind die Armen, die Besitzlosen. Die Reichen, die Handel trieben und einfluß-

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