Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Probleme der jüdischen Wanderung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 26 (sequence 10)
- Language
- German
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26 Julius Katzenstein: reiche Stellungen bei Hofe .hatten, blieben zurück und ließen es bei der Hergabe reicher Mittel bewenden. Aber schon die Wanderung der hellenistischen Zeit zeigt die Angehörigen einer bestimmten - Berufsklasse, des Warenhandels, auf der Wanderung. Diese Erscheinung bleibt fortab konstant bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. Wechselnd sind nur die Gegenstände, mit denen gehandelt wurde, zunächst Massenprodukte, dann Luxusgegenstände, endlich auch Sklaven. Nach der genannten Zeit erscheinen die wandernden Juden als Vertreter der Geld- und Wechselgeschäfte, zugleich aber auch als tüchtige und teils wohlhabende Handwerker. Fassen wir die Klassenzugehörigkeit der wandernden Juden bis zur Konzentration im Osten zusammen, so können wir sagen, daß damals die j ü d i s c h e Bourgeoisie sich auf der Wanderung befand. Dieses Bild ändert sich völlig mit dem Beginn der sogenannten überseeischen Auswanderung^ Hier steht uns schon die Statistik als Erkenntnisquelle zur Verfügung. Wenn wir die für die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten geltenden Zahlen — als den größten und entscheidensten . — betrachten, sehen wir folgendes Bild: In den Jahren 1898 bis 1914 wanderten ein 1485650 Juden. Darunter befanden sich 43,30/0 Berufslose, 38,60/0 gewerblich Vorgebildete, 0,750/0 Angehörige der freien Berufe und 17,20/0, die verschiedenen Berufen angehörten. Dieses sind Durchschnittszahlen. Es verlohnt, für den genannten Zeitraum die jeweils kleinsten und größten Ziffern mitzuteilen. Dies sind: für die Berufslosen 36o/0 (Fiskaljahr 1904—1905) und 54,50/0 (1900—1901); für die gewerblich Vorgebildeten: 30,90/0 (1901—1902) und 46,30/0 (1904—1905); für die freien Berufe: 0,400/0 (1899—1900) und o,g6o/0 (1911—1912); für die Angehörigen verschiedener Berufe: 13,30/0 (1900—1901) und 23,6o/0 (1901—1902). Zum Verständnis dieser Zahlen ist zunächst die der Berufslosen zu reduzieren, in denen die für eine berufliche Gliederung meist nicht in Betracht kommenden Frauen und Kinder enthalten sind. Nach der bei Kaplun-Kogan mitgeteilten Berechnung von Dr. K* Vornberg würden als niedrigste Zahl 8,250/0 (1913—1914) und als höchste 25,750/0 (1899—1900) tatsächlich in Betracht kommen. Ferner ist zu bemerken, daß die Handeltreibenden ohne Rücksicht auf Umfang und Art ihres Handels, ob sie Trödler, Hausierer, Größhändler oder Geldhändler (Bankiers) sind, in der Zahl der Angehörigen verschiedener Berufe enthalten sind und daß.ihr durchschnittlicher Anteil an der Gesamtwanderung des angegebenen Zeitraumes etwa 5,30/0 beträgt. Somit verbleibt ein starkes Übergewicht der gewerblich Vorgebildeten, während der Handelsstand, den wir für die voraufgehende Epoche als vorherrschend anzusehen hatten, nur eine untergeordnete Bedeutung, hat. Die Differenzierung ist also bedeutend stärker geworden. Es ist nicht mehr die jüdische Bourgeoisie, welche wandert, sondern eine im wesentlichen werktätige Masse. Ihre Besitzverhältnisse sind leicht nachzuprüfen an folgenden Zahlenangaben, welche für den gleichen Zeitraum gelten: 6o/0 der jüdischen Einwanderer besassen bei ihrer Landung in den Vereinigten