Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Probleme der jüdischen Wanderung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Probleme der jüdischen Wanderung 1$ Gestaltung an— vielleicht 20 Jahre alt, hat aber in dieser kurzen Zeit bereits eine bedeutende Entwicklung durchgemacht. Die Berichte des zehnten Zionistischen Kongreßes (August 1911) führen uns die ersten offiziellen Debatten darüber vor: das Referat von Katzenelson, das Korreferat von Leo Motzkin und die Kritik beider von Davis Trietsch. Der Referent geht von der Jüdennot aus, bekennt sich erschüttert und konstatiert, daß die bisherigen Versuche zur Regelung der jüdischen Emigration bei weitem ungenügend und nicht einheitlich seien. Er fordert in seiner Resolution: 1) eine ernste Mitwirkung an dieser wichtigen Gegenwartsarbeit und Erhaltung des Auswandererelements für das nationale Judentum, 2) eine Förderung der Emigration nach dem nahen Orient, insbesondere nach Palästina und Syrien. Sachlicher, kühler ordnet der Korreferent das Problem in vier Fragen: 1) Haben wir uns an den Auswanderungsfragen zu beteiligen oder nicht? 2) Haben wir als Zionisten daran mitzuarbeiten oder nicht? 3) Haben wir an einer allgemeinen jüdischen Organisierung dieser Arbeiten mitzuwirken? 4) Haben wir, wenn ja, bestimmte Wünsche und besondere Aufgaben daran zu knüpfen? Seine Antworten sind: ad 1) Er glaubt nicht daran, die Judenwanderung im vollen Umfange regeln zu können.. Aber schon eine palliative Regelung ist ihm außerordentlich wichtig, ad 2) Im großen und ganzen hätten wir als Juden mitzuwirken. „Es gibt aber Momente, in denen wir unbedingt unseren zionistischen Standpunkt festlegen müssen, weil uns der zionistische Standpunkt in vielen Punkten zu einer gewissen Stellungnahme zwingt." Furcht vor der nationalen Zersplitterung führt ihn zur Bejahung, ad 3 und 4) Er wünscht als Gegengewicht gegen die entnationalisierenden Tendenzen der bisher mit der Auswanderung befaßten Organisationen „Gesamtorganisierung der Arbeit in Form eines Emigrationskongresses mit der Möglichkeit, von Seiten der Zionisten nationale Beeinflussung zu treiben." Der Kritiker endlich, konzentriert, programmatisch: „Er (Wolffsohn) sagte, die Einwanderungsfrage stehe zum ersten Male vor dem Kongreß, obwohl sie eigentlich nicht unsere Sache sei. Ich werde versuchen, zu beweisen, daß die Auswanderungfrage wohl unsere Sache ist, mehr als alle anderen, die die zionistische Organisation in ihr' Programm aufgenommen. Sie ist wichtiger als Charter, Diplomatenpolitik usw., sogar wichtiger für uns als Palästina als Hauptzweck. Denn nicht der Zustand Palästinas hat uns bewogen, diese zionistische Bewegung aufzubauen, sondern der Zustand unseres Volkes." Mit dieser Zitierung ist mehr als eine tatsächliche Berichterstattung gegeben. Sie zeigt innerhalb des nationalen Gesichtspunktes für die Emigration Varianten von großer Bedeutung auf und in der Aufeinanderfolge dieser Varianten selbst eine Entwicklung von damals bis auf die Gegenwart. Daß die Wanderung jüdischer Massen unlösbar mit einer Gefährdung des Volksbestandes verbunden war, wurde allgemein anerkannt. Die Differenzen liegen in dem Umfange der aktiven Teilnahme an dem Problem. Was aber