Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Probleme der jüdischen Wanderung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
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Julius KatÄenstein: oder ob sie wiederkehrende, typische, allerorts und zu jeder Zeit sich wiederholende sind, (so die Abdrängung der Juden nach den Endstadien der Produktion in Ländern hoher ökonomischer Entwicklung). Die Wanderung selbst scheidet sich, wieder in Emigration, d. h. Auswanderung aus einem Lande mit dem Ziel der Einwanderung in ein anderes, (Rumänien-Amerika), Binnenwanderung, d. h. Verlegung des Wohnsitzes und der gesamten wirtschaftlichen Existenz innerhalb des gleichen Landes nach einer anderen — ökonomisch oder sonstwie anders gearteten — Provinz (vor dem Kriege Rußland-Kongreßpolen) oder vom flachem Lande in die Stadt, und Rückwanderung. Ferner ist von Bedeutung, ob die Wanderung auf Zeit (polnische und italienische Saisönwanderer) oder auf die Dauer berechnet ist; endlich, ob das Land der Auswanderung oder das der Einwanderung für die Fragestellung in Betracht kommt. Soweit die jüdische Wanderung überhaupt ihre Darstellung gefunden hat (was im Verhältnis zu ihrer überragenden Bedeutung nur im schwachen Maße der. Fall ist), sind fast sämtliche der aufgeführten Gesichtspunkte je nach den Ansichten der einzelnen Verfasser zur Darstellung gelangt. (Anin in Zeitschrift für Statistik u. Demographie der Juden 1911, S. 73; Birnbaum, Vor dem Wandersturm, 1919; Caro, Soziale und Wirtschaftsgeschichte der Juden; Goldstein i. Z. f. S. u. D. 1908, S. 170; Hausmann in Ost u. West, 1902, S. 382; Hersch: Lejuif Errant d'aujourdhui; Joseph: Jewish Emigration; Kahn in Ost u. West, 1905, 458; Kaplun-Kogan: Die Wanderbewegung der Juden (1913), und Die jüdische Wanderbewegung in der neuesten Zeit, (iS)1?)); Katzenelson, Die jüdische Wanderung; Margolin, Z. f. S. u. D. 1910, S. 160; 1911, S. 89; Segall Z. f. S. u. D. 1909, S. 55; Sombart, Die Juden und das Wirtschaftsleben; Theilhaber, Der Untergang der deutschen Juden; Trietsch: Jüdische Emigration und Kolonisation, 1917; Vogelstein in Ost u; West (1905 S. 479); Vornberg, Jüdische Emigration. Ein überragender Gesichtspunkt, der eine einheitliche Einstellung der Judenheit zur Wanderung ermöglichte, ist bisher nicht durchgedrungen. Das hat wesentlich seine Gründe darin, daß überhaupt der Gesamtkomplex jüdischer Tatsachen, die jüdische Geschichte, referierend oder zu apologetischen Zwecken betrachtet wurde. Es stand kein leitender "Gedanke und kein Ideal darüber, nichts* was alles gegebene Material nur als Mittel zum Zweck betrachtete und aus der Darstellung Richtlinien einer bewußten Gestaltung für die Zukunft schaffen wollte. Erst unsere jüngste Zeit hat mit der sprunghaften Entwicklung der jüdisch-politischen Fragen den für die Wanderung in Betracht kommenden Gesichtspunkten einen neuen hinzugefügt, der von überragender Bedeutung ist: den der Gestaltung eines geschlossenen jüdischen Volkstums. Er spaltet sich, was seine praktische Durchführung angeht, in die Schaffung eines national-jüdischen Zentrums in Palästina und in die völkische Konsolidierung der jüdischen Massen der Diaspora. Er ist — von seiner ersten konkreten