Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kongressnotizen zur zionistischen Politik
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Martin Buber: nisatorischen Arbeit notwendigen Minimalbedingungen,—beruhte wie gesagtauf einem folgenschweren Irrtum. Die Politik der Chowewe Zion war eine einseitig präparatorische gewesen: Vorbereitung von Volk und Land — Erziehung und Kolonisation. Die Politik Herzls war eine einseitig proklamatorische: öffentliche Anmeldung des Anspruchs; sie unterließ bewußt die vorbereitende Arbeit. Die demokratische Fraktion entwarf die Synthese. Sie bejahte die Proklamation — nur daß sie. sie mehr an die Adresse der dauernden Völker als an die der wechselnden Regierungen gerichtet sehen wollte —, sie forderte aber die reale Arbeit als ihre Grundlage und vor allem als die der diplomatischen Aktionen, die nur insofern Erfolg haben könnten, als sie sich auf das Geleistete stützten und nur seine rechtliche Anerkennung verlangten, und die der realen Arb'eit nur um einen Schritt vorangehen dürften: den zur Sicherung ihrer Bedingungen notwendigen. Nach Wolffsohn — der die Fortsetzung von Herzls Politik ohne Herzl bedeutet, mit allem Positiven und Negativen, das eine solche Fortsetzung einschließt — wurde die synthetische Parole der Fraktion zur herrschenden. Reale Arbeit begann, freilich mit unzureichenden Mitteln und ohne entscheidende Initiative. Auch in dieser Zeit blieb Herzls Methode der weltpolitisch überparteilichen Proklamation unberührt bestehen. Auch noch als 1914 plötzlich eine weltpolitische Parteiung da war, wie sie ein Jahrhundert lang nicht bestanden hatte, versuchte die zionistische Leitung der Methode Herzls treu zu bleiben. Sie vermochte es nur so lange, bis der Führer der einen Partei, der Hatiptspieler im Kriegsspiel, die Hand nach Palästina ausstreckte. Da glaubte sie die Voraussetzungen von Herzls Politik — seine Grundauffassung von der unentschiedenen Rivalität der Mächte in Palästina — nicht länger aufrecht erhalten zu köiVnen und gab mit ihnen auch seine politische Folgerung — die überparteiliche Proklamation — auf, nicht minder jedoch das politische Programm der demokratischen Fraktion, eben jenes, das wir als den »synthetischen" Zionismus zu bezeichnen pflegten. 3. Auf diesem Kongreß sprach Chaim Weizmann, als ob ein unmittelbares : Interesse Englands an Palästina nicht bestünde, als ob es sich um Palästina nur um des good-will der Juden willen bekümmerte. Da ich in dieser Darstellung ein bestimmendes politisches Motiv nicht zu entdecken vermag, muß ich sie auf einen bedauerlichen Rückschritt der politischen Einsicht Herzls gegenüber zurückführen. Auf das Gebiet der strategischen Kannegießerei möchte ich mich nicht begeben; ich will unbesehen zur Kenntnis nehmen, daß England an Palästina kein strategisches Interesse habe. Aber ich verstehe nicht, wie sein wirtschaftspolitisches Interesse daran bezweifelt werden kann.