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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 718

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
718 (sequence 15)
Language
German
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7i8 6. j. Agtiön sagte der Alte, seine Seele in den Schatzkammern der Höhe, „Fersenseelen" mit seinem eigenen Wort. Und diese Seele, Gerschoms Seele, war groß und würde ihr Licht über die ganze Welt verbreiten, und zusammen mit dem Licht müßte auch Wärme kommen, eben die Wärme, nach der die Welt und ihre Bewohner so sehr lechzen. Rabbi Awigdor räumte ihnen ein besonderes Zimmer ein, und sie lernten beide zusammen. Der Sendling saß im Käfig des Kummers und im Gefängnis der Hoffnung, und er bereitete den Jüngling in der Vorhalle der Thora vor, damit er nachher mit ihm in die Säle der verborgenen Weisheit eintreten könne, und spähte nach einer guten Wirkung, mit Gottes Hilfe, er sei gepriesen. Und so saßen sie und lernten, gingen jeder verborgenen Sache im Talmud und in den Entscheidungen nach, und jeder äußerte seine Meinung, bis die Halachah klar wurde wie Sonne. Und Gerschom rannte wie ein Hirsch auf die Vollkommenheit zu, und in jeder Stunde und Minute weitete er die Kräfte seiner Seele bis zur äußersten Anspannung. Komm und'siehe: vor diesem kleinen Gerschom gibt es kein Geheimnis. Es gibt keinen Pilpul, den er nicht auf den Weg des geraden Verstandes führt. Eines Tages sagte ihm der Sendling: Vielleicht wollen wir ein einfaches Blatt Talmud lernen. Da staunte der Jüngling: Was sucht er dabei, ein einfaches Blatt Talmud zu lernen? Solche Gelehrte, denen Gottlob kein Geheimnis schwer wird, sollten sich mit Sachen für Schulkinder abgeben, als ob es für sie nichts Höheres in der Welt gäbe! Der Sendling schwieg, und dann sprach er zu ihm: Komm und siehe, wie blind die Augen des Menschen sind. Ein Mensch sieht eine Sache, sofort scheint es ihm: wie einfach ist diese Sache. Aber wieviele Hinweise sind in Wahrheit darin, wieviel Beziehungen hängen daran! Und darauf sagt die Schrift: Und auf das Werk des Herrn schauen sie nicht! Und er ging immer mehr auf die Sache ein und erklärte gewaltige Einzelheiten. Als Gerschoms Herz schon ein wenig geöffnet war, das Geheimnis Gottes zu schauen, das in den einfachen Worten angedeutet ist, begann ihn der Sendling auf den Sprossen der Weisheit höher und höher zu heben, und er führte ihn von Stufe zu Stufe, bis er ihn fähig machte, zu verstehen und zu begreifen, was niemals einem Gelehrten in Schibbusch vergönnt war. Und als er bereits zu einer hohen Stufe in den Wegen Gottes gelangt war, und sich Ausblick und Einsicht in diese und jene Welt erworben hatte, da übergab ihm der Sendling die heiligen Worte des Alten, seine Seele in den Schatzkammern der Höhen, der zu %Gott, er sei gepriesen, zu sagen pflegte: Herr der Welt! Auf alles verzichte ich, was du in deiner Welt hast, auf das Paradies und sogar auf die Tore des Lichts, alles will ich dir erlassen, Herr der Welt, ganz und gar, nur dich will ich, dich allein!

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