Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 715 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verstoßene Er wartete eine Weile, aber siehe, der andere stand nicht auf. Da sprang er vom Wagen, und siehe, es war Gerschom, der Enkel des Vorstehers, der auf der Erde lag wie ein- Toter. Der Fleischhauer nahm ihn auf seine Arme, brachte ihn ein wenig zum Leben zurück, legte ihn auf den Wagen und kehrte mit ihm in die Stadt um. Die Männer im Hause Rabbi Awigdors des Vorstehers sahen. Meschullam Sosche immer näher auf das Haus des Rabbi Awigdor zufahren, und sie erhoben ihre Stimmen und schrieen: Da ist er, dieser freche Fleischhauer, der Genosse Amaleks! Und einige von ihnen sprangen ihm entgegen und wollten über ihn herfallen. Aber noch hatten sie nicht Zeit gefunden hinauszugehen, da trat er schon zu ihnen herein, und Gerschom, der Enkel des Vorstehers, lag in seinen Armen halb lebendig, halb tot. Und er erzählte ihnen alles, was ihm am Wege geschehen war. Hätte Meschullam Sosche gewußt, wohin Gerschom ging, so hätte er ihn dorthin gebracht, selbst wenn er ihn auf seiner Schulter hätte reiten lassen müssen. Gerschom kehrte zum Leben zurück, aber im Hause fürchtete man, daß die Herzkrankheit bei ihm erwacht sei, an der seine Mutter gestorben war. Aber dem Menschen wohnt Kraft inne, und durch Gottes Gnade überwand er seine Krankheit. Und es währte nicht viele Tage, bis er gesund wurde und den Segensspruch über die Genesung sprach. Gerschom hatte seine Krankheit als Strafe des Himmels auf sich genommen, dafür daß er aus der Ueberlieferung hatte heraustreten wollen. Während seiner Krankheit las er viele Bücher, die das Herz des Menschen emporziehen, und unter ihnen das Buch: Die welke Blume des Zwi, in dem die Streiche des Sabbatai Zwi und seiner Genossen erzählt sind. Und wider seinen Willen mußte er an die Leute der Sekte der Chassidim denken, und seine Augen verfinsterten sich vor großer Scham, daß er fast ihnen nahe gekommen wäre. Und er sagte auf sich selbst den Vers: „Um dich zu plagen, um dich zuletzt besser zu machen", daß nämlich der Heilige, er sei gelobt, ihn gestraft hätte, um es zuletzt gut für ihn zu wenden. Und von nun an und weiter las er und lernte und studierte und disputierte in Gemeinschaft mit Gefährten, nach der Art der eifernden Gelehrten, bis der Sendling kam und ihn zu seiner wahren Wurzel zurückführte.