Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 710 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7io S. J. Agnon: hatte und sein Vater wieder von dessen Vater, wie wegen einer Pest, der Barmherzige -bewahre uns, sein Ahn, Rabbi Moscheh Isseries seligen Angedenkens, in einem Dorf nahe bei Krakau wohnte, und dort blieben viele Handschriften von ihm zurück, und man brachte sie in die Schatzkammer des Fürsten, und von da ab stieg der Fürst sehr empor, und er wuchs immer mehr, bis er sehr groß wurde, uud hielt die Schriften fest und wollte sie keinem Menschen anvertrauen, und befahl seinen Erben nach ihm, sie in Ehren zu halten. Und in jedem Jahre breitet man sie in der Sonne aus, damit sie nicht faulen, fern sei es. Und der Rabbi fügte im Namen des Rabbi Salman hinzu, daß^ er aus dem Munde eines wahrheitsliebenden Mannes gehört habe, er habe sie gesehen, während man sie zum Ausbreiten herausbrachte. Der Rabbi endete seine Erzählung, und bald hier, bald dort seufzten die Geladenen: Wer weiß, ob sie noch vorhanden sind. 6. Das Tischgebet. Die Kerzen sanken in den Leuchtern, und der Diener brachte Bier, damit man das Tischgebet beim Becher spreche. Sie wuschen in einer Schüssel die Hände und senkten die Fingerspitzen nach unten, um der Macht der Unreinheit ihren Teil zu geben, nämlich den Schmutz der Hände. Und nachdem sie sich bei Tische mit guten Speisen vergnügt hatten, gedachten sie Jerusalems und des zerstörten Königspalastes, und sie sangen mit sehr trauriger Stimme das Lied „An den Wassern Babels". Der Hausherr bot dem Rabbi die Ehre, das Tischgebet zu sprechen. Man nahm das Fleisch und das Brot, das übrig geblieben war, stellte es vor den Betenden und tat das Messer vom Tisch weg. Der Rabbi hüllte sich in sein Obergewand, wie in der Stunde des Gebets, damit tiefe Gottesfurcht über ihm sein sollte, und er nicht stolz würde, weil er aß und sich sättigte und fett ward, und ersetzte das Glas auf die Handfläche mit aufgestellten Fingern und sprach das Tischgebet mit erhobener Stimme, Wort für Wort, gelassen und behutsam. Und die Geladenen suchten, etwas vor ihm fertig zu werden, damit sie auf die Segenssprüche Amen antworten konnten. Und der Rabbi trank behutsam und schloß mit einem Seufzer ab. Die Edlen gingen nach Hause und gaben einander das Geleite mit Worten der Thora, bis der Morgenstern aufstieg und die Zeit des Morgengebets kam. Gerschom saß in dieser ansehnlichen Gesellschaft von Gelehrten, und er konnte nicht genug von den wunderbaren Reden des Rabbi hören. Er dankte Gott in seinem Herzen, daß kein einziger Mensch da war, der ihn an jene Tat erinnerte, wie er sich nicht hatte bezwingen können und zum Beten geblieben war im Bethause der Leute der Sekte.