Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 709 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verstoßene 70.9 Die Fische waren schön von Geschmack, und der Rabbi sprach: Rabbi Awigdor, wahrlich ein Sabbath-Geschmack ist in diesen Fischen. Da antwortete Rabbi Awigdor: Rabbi, was ist daran Wunderbares, wenn Euer Ehrwürden einen Sabbathgeschmack in den Fischen schmeckt. Ein Gelehrter hat ja immer die Weihe des Sabbathum sich. In Wahrheit waren die Fische sehr gut von Geschmack, denn Rabbi Awigdor selber hatte sich die Mühe gemacht, auf das Kochen zu achten, so. wie er es an den Freitagabenden zu tun pflegte. Der Vorbeter stand auf, legte die Hand aufs Ohr und erhob freudig seine Stimme zu dem Segensspruch Mi scheberach für Rabbi Meschullam, dem die Freude galt, und alle Geladenen antworteten aus frohem Herzen. Sogar der Rabbi, der das Trällern der Vorbeter während des Gebetes nicht leiden mochte, hatte diesmal Wohlgefallen, als def Sänger sang, und sagte sogar: Gott stärke deine Kraft, Vorbeter! Und er fragte ihn, woher er diese Melodie habe. Der Vorbeter erzählte, daß sie ihm von seinem Vater überliefert sei, und dem Vater von dessen Vater. Denn der Vorbeter kannte die Art der Rabbinen, daß ihr Sinn Neuem nicht geneigt ist, und besonders, da er diese Melodie von einem Schnorrer gehört hatte, der von den Leuten der Sekte war. Während der Sänger sang, nahm der Rabbi die Gemeindechronik und wandte die Blätter, und als er ein leeres Blatt in der Mitte sah, fragte er, warum man das Blatt leer gelassen hatte. Hier wurde der Stadtschreiber munter und sagte: Er habe Platz gelassen, um zu erzählen, was Rabbi Awigdor tat, der den Uriel, das Haupt der Lumpen, am Vorabend des Sabbath vertrieben hatte, bis einmal ein Geist von oben ihm kommen würde, um alles in passenden Reimen und schöner Rede auszusprechen. Aber Rabbi Awigdor lenkte zu etwas anderem ab, damit man sich nicht mit etwas so Geringem abgäbe. Und der Rabbi, der umherreiste, um Aufsicht zu üben über die Gemeinden, erzählte von einem jungen Mann, der aus dem Hause des Schwiegervaters zu seinem Rabbi weggelaufen war; aber man hatte ihn unterwegs zurückgeholt, und er ließ ihm eine Schläfenlocke und die Hälfte des Bartes abschneiden zur Warnung für die Widerspenstigen. Und als die Geladenen weiter über die Leute der Sekte sprachen, klopfte der Rabbi mit dem Finger und sprach: Meine Herren, müßige Worte! Das alles ist nicht wert, darüber zu sprechen. Aber hört eine wunderbare Sache, die ich aus dem Munde des Rabbi Salman Margulies von Brody gehört habe. Und der Rabbi erzählte: Wie bekannt, ist der Kommentar des Rabbi Moscheh Isseries zum Tur nur gekürzt gedruckt, und bisweilen ist es unmöglich, den Sinn zu verstehen. Und wenn er vollständig wäre, so wäre es ein großer Nutzen für die Welt. Und ich habe von Rabbi Salman gehört, der es aus dem Munde seines Vaters