Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 707 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verstoßene 797 Wie die heiligen Bücher im Schranke, so saßen sie einer neben dem andern. Und was in dem einen nicht ist, das ist in dem andern. 5. Beim Gastmahl, Das Haus des Rabbi Awigdor war von vielen Kerzen erleuchtet, der Tisch war mit einer weißen und reinen Decke gedeckt, aber zum Gedächtnis an die Zerstörung Jerusalems hatte man eine Platte des Tisches ausgezogen, die man gar nicht gedeckt hatte. Obwohl dieses Mahl ein frommes Mahl war, wollte der Hausherr keine Größe für sich und tat, wie bei einem gewöhnlichen Mahle. Nur tischte er viel mehr Gerichte auf, als es sonst an den Wochentagen gab, an denen man sich mit zwei Gerichten begnügte. Der Diener brachte einen Krug Wasser und eine Schüssel, kam und trat vor jeden hin. Sie wuschen sich die Hände zum Mahl und trockneten sich an dem Handtuch, das ihm über der Schulter hing. Der Rabbi sprach den Segen über das Brot, und alle Geladenen erhoben ihr Brot und sprachen den Segen. Die Geladenen saßen angeheftet an Gott, er sei gepriesen, um nicht Gott behüte durch Speise und Trank zu Hochmut und Stolz zu kommen, und sie achteten mit der größten Sorgfalt auf die Segenssprüche über die Mahlzeit, damit der Tisch ein Tisch sei, der vor Gott stehe, und ihr Herz sich zu Gott ziehe und nicht zu Speise und Trank. Und Rabbi Awigdor ehrte den Rabbi und bat ihn, den Tisch mit der Größe seiner Gelehrsamkeit zu würzen. Der Rabbi wischte sich den Bart und sprach: Damit der Hausherr nicht sagt: Weh mir, daß ich mein Brot einem Unwissenden gegeben habe! würde es schicklich sein, daß ich mit einer Halachah beginne, aber was soll ich tun, da doch unsere Weisen, ihr Andenken zum Segen, verboten haben, uns der Krone der Thora zu unserem Nutzen zu bedienen. Da sprach Rabbi Awigdor weiter: Für welchen Fall ist das gesagt? Für einen Ort, an dem man bekannt ist. Aber für einen Ort, an dem man unbekannt ist, haben ausdrücklich unsere Lehrer seligen Angedenkens gesagt: Er mag sprechen „ich bin ein Gelehrter/' Und uns gegenüber, die wir die Größe der Thora des Rabbi nicht nach Gebühr kennen, ist es sicherlich anzusehen, wie bei einem Orte, an dem man unbekannt ist. Und die Edlen legten ihre Brotstücke aus der Hand und hoben das Haupt empor, um die vernünftige Seele mit den Worten des Rabbi zu speisen. Nur Rabbi Sindel, dem die Zähne schmerzten, weichte sein Brot in Branntwein und legte es auf den schlechten Zahn. Der Rabbi sah im Zimmer umher und sammelte seine Gedanken, um einen Pilpul zu sagen; als er Rabbi Sindel sein Brot in Branntwein tauchen sah, sagte er;