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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 706

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
706 (sequence 3)
Language
German
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7o6 S. J. Agnon: Die Mädchen sahen es und wußten nicht, was sie sahen. Aber Gott, er sei gepriesen, hatte schon eine Art Kraft auf die wahre Melodie aufgeprägt, die die Eitelkeit der Welt vergessen ließ und die Seele des Hörers zu einer anderen Welt erhob. Auch sie begannen mit ihr zu singen, und die Süßigkeit ihrer Stimmen dauerte bis zum Abend. 3. Der Landfesrabbiner. Rabbi Awigdor, der Vorsteher der Stadt und - dem Rabbi verwandt war, pflegte jedesmal, wenn der Rabbi in die Stadt kam, um seine Aufsicht über sie auszuüben, ein großes Mahl ihm zu Ehren zu machen. Aber diesmal hatte sich der Rabbi wegen der Trauer seiner Gastfreunde dieser Ehre zu entziehen und befahl, die Pferde anzuspannen und abzufahren. Da sprach Rabbi Awigdor zu ihm: Ein solcher Gaon ist in mein Haus gekommen und soll fortgehen, ohne zu nächtigen? Siehe, ohnehin ist schon alles gerichtet und steht zum Mahle bereit. Der Rabbi hörte auf ihn und blieb zur Dankmahlzeit. Und zu Ehren des Rabbi änderte Rabbi Awigdor die Einladungszettel und lud die übrigen elf Monatsvorsteher und die sieben Aeltesten der Stadt. Da sammelte sich eine ansehnliche Versammlung. 4. Die vornehmen Männer. Unsere Weisen seligen Angedenkens haben gesagt: Die reinen Sinnes waren in Jerusalem, setzten sich nur zum Mahl, wenn sie wußten, wer mit ihnen speiste. Und um das Wort unserer Weisen zu erfüllen, begann Rabbi Awigdor und sprach: Rabbi! Der greise Edle, der Euer Ehrwürden zur Rechten sitzt, ist Rabbi Jakob, der Sohn Rabbi Jizchaks des Märtyrers, Gott räche sein Blut, von den Nachkommen des Rabbi Fischel des Milchigen, der von Sabbath zu Sabbath den Geschmack des Fleisches nicht kostete, und er ist vom Stamme des heiligen Schlah. Und der Edle, der nach ihm sitzt, ist Rabbi Maschah Hakohen, der Tochtersohn des Verfassers von „Zeichen der Wahrheit", den die Rabbiner des Zeitalters in ihren Responsen erwähnen. Er schlug mit der Peitsche seines Mundes die Leute der verfluchten Sekte des Sabbathai Zwi. Und der Edle, der nach ihm sitzt, ist Rabbi Josef Schmuel, der wie sein Großvater heißt, der Rabbi Josef Schmuel aus Krakau, der fünfundzwanzig Jahre stehend Thora lernte und zweiundvierzig Mal den ganzen Talmud wiederholte. Und so erklärte Rabbi Awigdor weiter den Adel jedes einzelnen der neuen Herren, die in diesem Jahre zu Vorstehern und Führern gewählt worden waren.

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