Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 705 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Der Verstoßene 705 Leben hat mich kein Mensch besiegt außer diesem Kinde. Und beide schlössen wie eine: Und als Hochzeitsgeschenk will er ihm eine Autorisation schenken. Menuchah setzte ihnen einen Korb voll Früchte vor, um ihr Schwatzen zu unterbrechen. Während sie so tat, sandte der Heilige, gepriesen sei er, zwei Tränen in ihre Augen. Da hielt Menuchah ihre beiden keuschen Augen nach oben empor und ließ den Kopf zurückfallen, vielleicht daß die Tränen an ihren Ort zurückkehrten, damit die Freundinnen sie nicht merken sollten. Aber der Sinn der Frauen ist leicht, sie schauten nicht ins Herz und setzten ihr Gespräch weiter und weiter fort. Zlatte, die Magd, die von Rabbi Awigdor gekommen war, um der Braut und ihrer Mutter Leckereien zu bringen, weil sie den Abend nicht mit den Männern mitspeisten, stand und weidete die Augen an der Schönheit der Braut und sagte ihr viele Preis- und Lobworte. Und sie ließ nicht nach, und nannte sie sogar: Königstochter, du schönste unter den Mädchen. Und sie schloß mit einem Segen: Die Lieblichkeit Gottes sei über dir, und es sei dir gegönnt, zu guter und glücklicher Stunde unter den Trauhimmel zu treten, und deine Nachkommen mögen die Bethäuser und Lehrhäuser füllen. Und ich verwelkte Alte möge die Gnade erfahren, deine Enkelkinder auf meinem Arm zu tragen. Und bevor ihr das Mädchen auf ihren Segen antwortete, beugte sich Zlatte zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr, daß der Geist des Rabbi nicht standhielt vor Gerschoms wunderbarem Wissen. Und damit er nicht stolz würde, hätte er ihn auf etwas anderes abgelenkt. Und worauf hätte er ihn gelenkt? Zu den Gesetzen über das Frauenbad, denn Gerschom, der jetzt noch unverheiratet war, war in ihnen nicht so bewandert. Menuchah warf den Kopf zurück, um zu zeigen, daß das Gespräch ihr nicht lieb sei. Schließlich begann sie laut zu singen, vielleicht daß die Gedanken ihres Herzens ruhig würden und ihr leicht würde. Freidele saß betrübt, Auf ihr Gesicht sank Trauer, Vorbei kam der König Sobieski, Und fand gleich Lust an-ihr. Komm, Schönste unter den Mädchen, Mit Gold will ich decken die Wege, Hör heute nur auf meine Stimme, Und ich gebe dir Königsschätze. Wenn ihr Schatz verloren, verschwunden, Was sollen die Königsschätze? Freidele sitzt betrübt, Im Nebel vergehen die Wege.