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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 701

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Koheleth
Date
1920-01-01
Page
701 (sequence 6)
Language
German
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tCoheleth %öt der Gottheit, dem Inbegriff aller seiner Inbrünste, höchsten Ziele und Sehnsüchte ebensowohl wie aller Wirklichkeiten, die der kosmischen Welt entströmen. Früher war er der faustische, jetzt wird er der religiöse Mensch; aber das Religiöse ist hier derart weit gefaßt, daß es alles enthält, was je des Menschen Brust bewegen könnte: Wirklichkeit des Kosmos, übermenschliches Streben der menschlichen Kreatur, Sehnsucht nach Ruhe und Harmonie, Wille zur Tat und Verwirklichung, um alles zu bekräftigen, was die neue Persönlichkeit schauernd erahnt. Diese Steigerung des Makrokosmos zur göttlichen Welt wird ein neuer Höhepunkt der Lebensdeutung des Predigers. In der früheren Phase rechtfertigen die Seelenwerte die Welt: eine wenn auch naive Wertphilosophie, wie sie dem modernen Denker nicht neu erscheinen mag; hat sie doch in fast allen neueren metaphysischen Systemen seit Kant irgendeine Darstellung gefunden, zumal sie auch dem Altertum nicht fremd war: bei Piaton, den Neuplatonikern, bei Kant in der Sittenlehre, dann bei Schopenhauer und Nietzsche, bei Münsterberg und Vaihinger, den französischen Evolutionisten und vielen anderen. Jetzt bedarf es dieser in naturphilosophischer Hinsicht außerweltlichen Werte nicht mehr. Der Wert wird dem Dasein immanent, in der Gottheit gewinnt das Dasein selbst seine neue Rechtfertigung. Der eigentlich philosophische Standpunkt wird verlassen; als Gestaltung Gottes löst sich die Welt dem grüblerischen Sinn. Was mag dem Erdensohn jetzt Erdenfreude anders sein als ein Weg zu Gott. Das eherne Weltgesetz hat sich in göttliche Bestimmung gewandelt. Die Freude in der Natur wird die Freude in Gott. Alles irdische Glück ist Mataß Elohim. Mag auch das Erdenleben kurz sein, in allem ist doch nur Streben zur Freude in Gott. Denn Gott erhört den Menschen in der Freude seines Herzens. Daher ist die Freude an der Welt, anscheinend ein künstlerisches, wohl an die Individualität weil an die individuell erlebende Seele gebundenes, aber die persönlichen Schranken sprengendes, die Welt umfassendes Erdenglück ein notwendiger Bestandteil der neuen Weltauffassung. Erdenfreude muß sein, denn sie ist nur ein anderer Ausdruck für Freude in Gott. Des Menschen Seele muß sich am Guten sättigen: Freude ist nur ein anderer Ausdruck für höchste Sittlichkeit. Und ein Uebel gibt es, der Prediger sah es unter der Sonne, groß ist es für den Menschen: daß Gott den Menschen nicht befähigt, von allen Gütern zu zehren. Ein neuer Individualismus, doch von dem anfänglichen so verschieden, wie göttliche Welt von "der chaotischen. Denn das groß Erlebte wird Bürgschaft für die Göttlichkeit des Daseins; dieser rein seelische Wert (wie alles Erlebte rein psychisch, Gegenstand der „inneren Erfahrung" und anscheinend mit dem menschlichen Bewußtsein vergänglich und höchst wandelbar) gewinnt nun ewige Bedeutung, wird zu einer Art Seelensubstanz, die das menschliche Dasein trägt. . Diese Seelenfreude ist nicht mehr Rausch und Taumel, Erdverzweiflung und weltschmerzlerische Flucht in Genuß, sie ist Einsicht und Weisheit Heft n ,fi

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