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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 689

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Die Geschichte der österreichisch-jüdischen Kongressbewegung
Date
1920-01-01
Page
689 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Die Geschichte der österreichisch-jüdischen Kongreßbewegung 689 selbst von den antizionistischen Orthodoxen restlos anerkannten Hauptgründe des Zusammenschlusses zu dem „Volksverband der Juden" unter zionistischer Führung. — Es ist ferner noch zu berücksichtigen, daß schon früher die Zuteilung von Gewerbebewilligungen usw. vielfach in der Hand von lokalen Selbstverwaltungskörpern lag, sodaß eine Bevorzugung von Nichtjuden, soweit diese überhaupt möglich war, im Rahmen dieser Gemeindeautonomie auch bisher erfolgen konnte. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß diese Gefahr bei völliger Uebertragung solcher Kompetenzen an die einzelnen Nationen, wie die& Renner vorsieht, sich nicht noch erheblich vergrößern kann. Es ist hier aber nicht von den Folgen die Rede, die für die Juden mit der Gewährung einer Autonomie nach Rennerschem Muster an alle nationalen Minoritäten entstehen können, sondern von den Kosequenzen solcher nationalen Minderheitsrechte, die nur für die Juden in Betracht kommen können, also bestenfalls der sogenannten national-kulturellen Autonomie. Bei dieser ist die Uebernahme derartiger vorwiegend territorial gebundener Kompetenzen nicht denkbar. Was nun die Teilnahme der Juden an den beruflichen und wir t s c haf tli chen Ve r tre t ungs k örp e rn anlangt, so war besonders in den letzten Jahrzehnten der Existenz des österreichischen Staates bei diesen das Durchdringen der nationalen Trennungs- und Teilungstendenz unverkennbar. Sie hat in Böhmen außer beim Landesschulrat auch zur nationalen Sektionierung der Aerztekammer, zur Teilung der Handelsgremien, Pensionsinstitute usw. geführt. Die besonders wichtigen Handels- und Gewerbekammern in Böhmen waren zwar nicht personal, aber territorial durch ihre Sprengeleinteilung national getrennt. Gerade in diesen Vertretungen war die Beteiligung der Juden und ihre Stellung eine besonders hervorragende, wie sie weder ihrem Anteil an der Bevölkerungszahl noch dem an der Gesamtmitgliedschaft dieser Körperschaften entspricht. Bei der wirtschaftlichen Bedeutung, die solchen beruflichen Interessenvertretungen für die Juden zukommt, würde diese ein Ausschluß oder sonst eine Zurücksetzung besonders treffen. Allerdings ist nicht anzunehmen, daß gerade in diesen fachlichen Vertretungen nationalpolitische Differenzierungen,, statt des wirtschaftlichen Einflusses oder der Sachkenntnis Macht behalten werden; und oft genug werden gerade bei den wirtschaftlich prominenten Juden die miteinander rivalisierenden Nationen sich bemühen, sie für ihre Wirtschaftsvertretungen zu gewinnen. Damit soll aber die Möglichkeit einer Erschwerung der jüdischen Position in diesen Körperschaften nicht in Abrede gestellt werden. Zu Zeiten der gebundenen Wirtschaft könnte sie überdies zu einem systematischen Verdrängungsprozeß führen; diese Zeiten scheinen sich aber ihrem Ende zuzuneigen, und wenn sie wiederkehren sollten, also während eines neuen Krieges oder einer bisher noch nicht dagewesenen ökonomischen Krise, haben der Staat und die Völker nur die Sorge, die vorhandenen wirtschaftlichen Fähigkeiten, die ja die Juden

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