Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 666 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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666 S. J. Agnöni in den Psalmen noch im Hiob, deren Wesen ihm Beruhigung der Seele brachte. Und diese Trauer war ihm, Gott bewahre, sogar noch lieber als ein Blatt Talmud. Manche Tage las er in dem Buche „Anfang der Weisheit" und schritt dort durch alle sieben Wohnungen der Hölle und nahm in Gedanken alle Gattungen von Strafen wegen der Art seines Seins in der Welt auf sich. Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel. Der Pilpul und die Ehre, das Haus seines Vaters und Großvaters, sein Ehrensitz im. Lehrhaus, der silberne Knauf an seinem Stock — Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel. Und er stellte immer die Bilder der Hölle vor sich, und es wurde ihm klar, daß er alle seine Tage in der Welt der Lüge verbracht hatte. Und er vergaß sogar, daß er ein Bräutigam war und eine Braut hatte, und daß sie schön war, und wenn er an sie dachte, so dachte er nur an sie aus Kummer, daß sie ihn fester an die niedrige Welt knüpfte. Als hätten unsere Weisen, ihr Andenken zum Segen, nicht gesagt: Ehret sehr eure Frauen, da sie uns vor der Sünde retten. Rabbi Awigdor war sehr bekümmert, Gerschom seinen Körper so sehr kasteien zu sehen. Er fürchtete, daß bei ihm, Gott bewahre, die Krankheit des Herzens ausbrechen könnte, die das Leben seiner Mutter zerstört hatte. Und als Rabbi Sindel kam, um über die Ausrichtung der Hochzeit zu sprechen, da wies er ihn nicht zurück mit „Geh und komm wieder", und sie bestimmten die Hochzeit für die Chanukkatage. Er dachte, die Freude des Bräutigams über die Braut werde das Herz beruhigen. 2. Von Trauer zur Freude. Die holden und geliebten Sommertage waren gekommen. Die Sonne leuchtete milde der Erde und ihren Bewohnern. Die Bäume blühten, und die Gärten füllten sich mit Früchten. Salke, der Gemüsehändler, kam jeden Nachmittag ins Lehrhaus und verkaufte den Jünglingen Früchte. Wer will eine schöne Frucht, um den Segen darüber zu sprechen? rief er aus und sagte: Jünglinge, sprecht den Segen über meine Früchte, denn der Heilige selber, er sei gelobt, hat sie in seiner großen Gnade wachsen lassen und sich um sie bemüht und den guten Geschmack in sie getan! Die Jünglinge trieben ihren Spott mit ihm, aber Salke antwortete ihnen einfach: Seid fröhlich und freut euch, Jünglinge! Nur durch die Freude kann man die Seeie lebendig machen. Manchmal hörte Gerschom Salkes Reden, und auch er führte mit ihm ein müßiges Gespräch. Gerschom hatte zuerst gedacht, dieser Unwissende hätte Lust, ein Thorawort von ihm zu hören. Aber nicht genug damit, daß er nicht hörte, ließ er sich noch mit ihm in Worte ein, als ob nur ihm allein die Thora auf dem Sinai gegeben worden wäre. Und was waren seine Reden? Ueber die Offenbarung der wahren Gnade und das Nahen zu den wahrhaften Zaddikim, um die Vollkommenheit der Gottesfurcht zu erreichen Und die Trauer zur Stufe der Freude zu erheben.