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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 11 · p. 624

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 11
Article
Der heutige deutsche Antisemitismus
Date
1920-01-01
Page
624 (sequence 4)
Language
German
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624 Arnold Zweig; Gegen dieses Erlebnis hat die konsequente Assimilation keine Waffe, kein vorbeugendes Mittel und keinen Trost. Lehrt man den jungen Juden nichts weiter schätzen, verehren und in Leben umsetzen, als was die parallelen Gesellschaftskreise nichtjüdischer Herkunft schätzen, werthalten und lieben, so muß, in Deutschland wie in Polen, Böhmen, Ungarn das Ende Verzweiflung sein — und dem Revolverschuß, mit dem jener junge jüdische Münchener Student und Offizier sich, unter den Klängen einer Tanzmusik, tötete, weil man ihn aus einem Verein „Frohe Garde" ausschloß, ohne ihn auch nur noch anzuhören: diesem Schuß, einer Tat tiefster echtester Assimilation und menschlicher Verzweiflung eines auf seine Art vornehm empfindenden Herzens, werden andere folgen. Dies ist er, der „Weg des Lebens". Wer die Assimilation befürwortet, möge seinerseits den Mut zur Konsequenz aufbringen; er wird darum nicht zu beneiden sein — auch nicht unter der Optik der Dauer. Wir haben noch mit keinem Wort die primitive Würde des Menschen erwähnt, welche verbietet, daß jemand sich seiner Herkunft schäme; kein Wort gesagt auch von der naheliegenden, notwendigen und schamlosen Konsequenz des „jüdischen Antisemiten", den besonders radikale Fälle von Assimilation hervorbringen und dem man als Soldat gelegentlich unter deutschen Offizieren und Militärärzten merklich jüdischer Abstammung begegnete, nichts von der widerlichen Gegebenheit der Selbstaufhebung, die, weil Generationen auch gefühlsmäßig innerhalb einer Familie eine Einheit bilden, in der Tatsache liegt, daß Söhne und Enkel von Juden, die zu ihrer Zeit für die Emanzipation, das heißt die Menschenrechte der Juden, mannhaft arbeiteten, nun in exaltiert falscher Konsequenz für das Verschwinden dieser selben Juden arbeiten; wir haben nichts von den einleuchtenden, weil selbstverständlichen Unterscheidungen zwischen Staatsbürgertum und der aus ihm folgenden Hingabe an das öffentliche Wohl mit Pflichten und Rechten eines Staatsbürgers, und andererseits der Zurechnung zu einem besonderen Volkstum vorgebracht, welches sich weder in der Schweiz noch in Deutschland (Oberschlesien!), weder in Polen noch in. Amerika oder England mit dem Umfang des Staates deckt, und erinnern nur an jenen nachdenklichen und erhellenden Aufsatz Bubers*), der an Karl Scheffler gerichtet ist und sich mit der bedingten Zubilligung der Menschen- und Bürgerrechte an die Juden befaßt — schonend in der Diktion und von nahezu liebenswürdiger Ueberlegenheit über den Angeredeten und seine Veröffentlichung; dafür aber erbitten wir, mit dem elementar unwissenden Gerede verschont zu werden, es müßten die Juden sich abhärten gegen diese antisemitische Gesellschaft, tapfer weiter deutschen, ja nicht empfindlich sich zurückziehn und leiden, dies sei unmännlich, sentimental und so weiter. Es gibt eine *) „Der Preis", Seite 117fr. der „Jüdischen Bev/egung II", eines Buches, das soeben im Jüdischen Verlag erschien und dessen Aussagen, Analysen und Verteidigungen Juden wie Deutsche gleichmäßig zur Erkenntnis aufrufen sollten und zur Tat

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