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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 605

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Die Einigung der palästinensischen Arbeiterschaft
Date
1920-01-01
Page
605 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Die Einigung der palästinensischen Arbeiterschaft 605 abgegeben und 86 Delegierte gewählt, die sich auf folgende Parteien und Gruppen verteilten: 36 Achduth Haawoda, 28 Hapoel Hazair, 8 Hechalu«, 8 Haschomer Hazair, 6 M. P. S. (Maflegat poalim sozialistlm; Kommunisten). Auf der Konferenz kam der alte Gegensatz wiederum zum Ausdruck, aber Achdut Haawoda war diesmal klug genug, ihre Forderung zu mäßigen und verlangte nicht mehr die Aufhebung der Parteien, sondern deren Zusammenfassung in einer Gesamtorganisation mit ausreichenden Rechten und Monopolstellung in ihren Sonderaufgaben. Diese letztere Bestimmung, die angenommen wurde, ist besonders wichtig. Denn das Grundübel der bisherigen Organisationsformen — auch vor der Konferenz in Petach Tikwa — war die gegenseitige Konkurrenz der Organisationen, die sich alle mitdenselbenAufgaben—Kolonisation, Arbeitsvermittlung — befaßten. Und es war von allen Parteien, Insbesondere vom Hapoel Hazair, der während des letzten Halbjahres einen so großen Apparat für die von ihm Inaugurierte Alija geschaffen hatte, kein kleines Opfer, diese Institutionen der neuen gemeinsamen Organisation zu übergeben und auf jede Arbeit auf dem bisherigen Wirkungsfelde zu verzichten. Dieses Opfer wurde gebracht. Als Sprinzak im Namen des Hapoel Hazair verlautbarte, daß dieser seine gesamten Institutionen der neuen Organisation übergebe, ertönte lebhafter Beifall, der sonst in palästinensischen Arbeiterversammlungen nicht üblich ist. Die Versammlung fühlte, daß gerade derartige Opfer der Parteien die neue Gemeinschaft stärken und erheben werden. Der Wirkungskreis der neuen Organisation wurde folgendermaßen umschrieben: Organisierung landwirtschaftlicher Siedlungen und Arbeitszweige in Land und Stadt, Organisierung von Arbeitstruppen und Kwuzoth für Landwirtschaft und Industrie; Uebernahme von Arbeiten; Organisierung der Arbeiter in Gewerkschaften; Verbesserung der Arbeitsbedingungen; fachliche Ausbildung; . kooperativer Konsum; gegenseitige Hilfe (Krankenkassen, Versicherung, Vorschußkassen); Organisierung der Verteidigung im Wachdienst und Abwehr; Aufnahme der Immigranten und Arbeitsnachweis; Organisierung der Arbeitereinwanderung im Ausland; Verbreitung der hebräischen Sprache unter den Arbeitern; Bildungsarbelt; Fachzeitungen und Bulletins. Innerhalb dieses Wirkungskreises — mit Ausnahme derKulturarbeit — hat die Organisation das Monopol. Die Gegensätze, zwischen Hapoel Hazair und Achdut Haawoda zeigten sich bei der Frage der Kulturarbeit. Hapoel Hazair wünscht — hierin gleicher Ansicht wie die M. P. S. — die neue Organisation auf die kolonisatorische und professionelle Arbeit zu beschränken und fürchtet, daß die Histadrut unter dem Drucke der Achdut Haawoda sich auch parteipolitische Ziele setzen könnte; daher wollte er der Organisation kein Recht auf Herausgabe nichtfachlicher periodischer Literatur geben. Auf die Dauer wird wohl die Histadrut nicht darauf verzichten können, auch politisch hervorzutreten. Denn Kolonisation und Arbeitsvermittlung ist in Palästina keine professionelle Angelegenheit. Schon der Kampf der palästinensischen Arbeiterorganisationen gegen die Sperrung der Einwanderung ist ein politischer Kampf; ebenso der in Haifa gefaßte Beschluß, vier Siedlungspunkte, welche die aus London "entsandte Delegation der Leitung schließen wollte, aufrechtzuerhalten, war ein politischer Beschluß. Man wird also der Organisation auf die Dauer die politischen Befugnisse nicht nehmen können und nur darauf sehen müssen, daß nicht die Politik einer Gruppe, sondern die der Gemeinschaft der Arbeiter gemacht wird. Was technisch darauf herauskäme, das für Beschlüsse politischer Art eine besonders qualifizierte Majorität verlangt werden müßte. Sonderbestrebungen bleiben den Parteien*. Daß solche Sonderströmungen bestehen und daß das Bestreben nach vollständiger Vereinigung aller Gruppen eine Gewaltsamkeit vorstellt, haben die Haifaer Verhandlungen hinreichend gezeigt. Wichtig war besonders die Abstimmung über die Frage, ob die neue Organisation auf dem Standpunkt des Klassenkampfes stehe. Dies wurde von der Versammlung abgelehnt. Der Hapoel Ha- , zair stimmte geschlossen dagegen, Achdut Haawoda war geteilt. Man sieht, daß eine in Europa so entscheidende Frage wie die Stellung zum Klassenkampf in Palästina Nebensache ist und daß Gegensätze in Beantwortung dieser Frage innerhalb einer Partei möglich sind; selbst in einer Partei, die dem Poale Zion-Weltverbande angehört. In Palästina ist wenig Platz für Schlagworte. Von europäischen Schlagworten beherrscht waren die sechs Delegierten der kommunistischen Partei (unter ihnen der frühere ukrainische Minister Rewutzkl). Die kleine Partei hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens viele Dummheiten gemacht und durch überflüssige bolschewistische Demonstrationen den Arabern willkommene Waffen gegen die jüdische Emigration geliefert. Auf der Konferenz haben ihre Delegierten sehr geschickt manövriert. Ihre Taktik war darauf gerichtet, die Achdut Haawoda der Zwiespältigkeit zu überführen, die darin liegt, daß sie offiziell eine sozialistische Partei in europäischem Sinne ist, tatsächlich aber die Ideologie des Hapoel Hazair angenommen hat. Achduth Haawoda sollte durch gewisse Resolutionen gezwungen werden, Farbe zu bekennen und gegen Klassenkampf, gegen Aufnahme von Arabern in jüdische Gewerkschaften, gegen Begrüßungsdepeschen nach Moskau zu stimmen. Achdut Haawoda hatte einen schwierigen Stand Heft 10 40

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