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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 596

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Ein Projekt einer Judenkolonisation in Palästina aus dem Jahre 1840
Date
1920-01-01
Page
596 (sequence 2)
Language
German
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596 Zur Geschichte des Zionismus: eine kleine Zahl von begeisterten jüdischen Studenten, die sich die Verwirklichung dieses Ideals zum Ziele setzte. Bis zum Jahre 1840 hatten sie zur Verwirklichung ihrer Ideen so gut wie nichts unternommen. Am 17. November traf in Wien auf seiner Rückreise aus dem Orient Cremieux ein, wo er bei seinem Schwager Bär abstieg. Cremieux, dessen energisches Eintreten für die Rechte der Judenheit aller Länder bekannt war, wurde seitens der Wiener jüdischen Gemeinde ein ehrenvoller Empfang bereitet. Aus beinahe allen jüdischen Gemeinden Mährens, Böhmens und Ungarns trafen in Wien Deputationen ein, um ihm Dankadressen zu überreichen. Festkonzerte, Diners und Empfänge sollten seinen Aufenthalt in Wien angenehmer gestalten. Während dieser offiziellen festlichen Empfänge -traten nun hier an Cremieux zwei junge jüdische Studenten durch Vermittlung des in Wien ansässigen Moritz Edersheim und seines oben erwähnten Schwagers, des Oekonomen des israelitischen Bethauses, Bär, heran, um ihm freilich keine Dankadresse, sondern in seiner Art etwas ganz anderes — ein Projekt über die Gründung einer Judenkolonie*) in Palästina zu überreichen und ihn um seine Unterstützung bei der Verwirklichung ihrer Idee anzusuchen. Cremieux versprach ihnen seine Unterstützung und übersandte ihnen aus Metz ein in Wien datiertes Empfehlungsschreiben an Moses Montefiore. Anscheinend hatten die beiden Studenten, Benisch und Österreicher, die Absicht, nach London zu reisen, um persönlich Montefiore ihre Pläne vorzutragen und ihn für ihrejldeen zu gewinnen. J In seinem Schreiben empfiehlt sie Cremieux als Studenten, die ein bedeutsames Projekt zur Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina ausgearbeitet haben. Sie würden Gelegenheit haben, ihm persönlich ihren „großen Gedanken" zu entwickeln. Er bittet ihn sodann, die beiden nicht nur mit der üblichen „polnischen Höflichkeit", sondern mit warmem Interesse zu empfangen, denn niemand sei so sehr in der Lage, den Wert *) Hier nicht als Einzelkolonie, sondern als Kolonisation oder selbst Staat zu verstehen. und die Realisierungsmöglichkeiten dieses Projektes richtig zu beurteilen, wie er (Montefiore). Außerdem ersucht ihn auch Cremieux, die beiden derJLady Montefiore zu empfehlen. An Benisch und Oesterreicher richtete Cremieux einen langen Brief, in welchem er seinen Standpunkt zu ihrem Projekt klarlegte. Er anerkennt die Wichtigkeit wie auch die Nützlichkeit ihres Vorschlages und erhofft von seiner Realisierung einen großen Vorteil für das Judentum. Jedoch sei ihr Projekt nur für die außerhalb Frankreichs lebenden Juden berechnet, denn „wir französische Israeliten, die in Frankreich ein so teueres Vaterland besitzen, fühlen weniger als die übrigen auf dem ganzen Erdenrund verbreiteten Israeliten die Notwendigkeit einer solchen Kolonie in Palästina. Aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß unsere Wünsche und Sympathien denen unserer Brüder folgen werden zu einem so erhabenen und so nützlichen Zwecke, den Sie vorschlagen, sich in das Land begeben werden, wo unsere Ahnen so mächtig waren, und versuchen werden ein, unserer Epoche würdiges Werk zum Wohle der Zivilisation zu schaffen. Die ganze Welt hat jetzt ihre Augen gegen den Orient gerichtet. Welcher Art die Lösung der Schwierigkeiten auch sein wird, die sich aus derPolitik in Aegypten und Syrien ergeben, so ist doch evident, daß von nun an der Orient auch für die Geschicke, selbst des Westens, schwerwiegend sein wird. Sie wählen den geeigneten Moment, um ihre Ideen zu propagieren." Aber vor allem würde es notwendig sein, daß diese von den Ministerien der Hauptstaaten genehmigt werden, denn man benötige für ihre zukünftige Kolonie eines wirksamen und vor allem europäischenSchutzes (protection). Cremieux hatte somit das Projekt, angesichts der damals auf der Tagesordnung der allgemeinen Weltpolitik stehenden Orientfrage, politisch als zeitgemäß befunden und die Meinung ausgesprochen, daß die Idee einer Judenkolonisation in Palästina nur unter dem Gesichtspunkte der Gesamt-Orientpolitik wertzuschätzen sei, weil sie unbedingt eines europäischen Schutzes (ähnlich vielleicht wie das heutige Mandat) bedürfe.* In diesen wenigen Zeilen merkt man

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