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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 595

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Ein Projekt einer Judenkolonisation in Palästina aus dem Jahre 1840
Date
1920-01-01
Page
595 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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ZUR GESCHICHTE DES ZIONISMUS EIN PROJEKT EINER JUDEN¬ KOLONISATION IN PALÄSTINA AUS DEM JAHRE 1840*) Die Frage einer jüdischen Kolonisation in Palästina hatte um die dreißiger Jahre des XIX. Jahrhunderts selbst Kreise der englischen Regierung lebhaft interessiert Viele namhafte englische Persönlichkeiten beschäftigten sich intensiv mit jüdischen Emigrations- und Kolonisationsfragen. So erschienen im September 1838 im „Globe", dem offiziösen Blatte des damaligen englischen Außenministeriums, einige Artikel über die Gründung eines neutralen Staates in Syrien und Palästina, wo man jüdische Massen ansiedeln und sodann einen jüdischen Staat begründen sollte. Das Land sollte nach demMuster von Belgien eingerichtet werden. Der Artikelschreiber trat für die Errichtung von Fabriken ein, in denen jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollten. Zu den Hauptaufgaben dieses 11 < n Kolonisationswerkes sollte eine sehr starke Heranziehung der Juden zum Ackerbau zählen. Diese Pläne fanden auch die Unterstützung englischer Staatsmänner, da Lord Palmerston und andere, die im Gegensatze zu Frankreich, wo zur selben Zeit Lamartine für die Schaffung eines christlichen Staates in Palästina und Syrien eingetreten war, die Anschauungen des „Globe" vertraten. Auch in Deutschland haben sich damals gewisse Kreise mit der Frage eines jüdischen Staates, allerdings mit ziemlich unklaren und vom jüdischen Standpunkt nicht immer zu *) Auf Grund von Materialien im Archiv des Wiener Staatsamtes für Inneres. {Polizeiakten aus dem Jahre 1840, 1841 Nr. 3520.) akzeptierenden Tendenzen, beschäftigt. Ja, ein gewisser Seyfert hatte sich sogar zum „König von Jerusalem" proklamiert und unter den Juden eine sehr starke Propaganda entfaltet**). Während die Episode Seyfert die Aufmerksamkeit derbreiten jüdischen öffentlichen Meinung überhaupt nicht auf sich lenkte, so haben die Pläne des „Globe" bei der damaligen „Allgemeinen Zeitung des Judentums" heftigen Protest hervorgerufen. Die „Allgemeine Zeitung" nannte das englische Projekt „einen blasierten, aufgedunsenen Einfall", warnte die Jugend vor all diesen „vagen Ideen" und appellierte an sie, vor allem „tätige und schaffende Bürger" ihres Staates zu werden, da die'Juden nur eine Aufgabe hätten, sich „festzusetzen im Schöße der Menschheit, der Gesellschaft, als integrierende Glieder«***). Trotz dieses Protestes aber regte sich doch innerhalb der Judenheit, und gerade bei deren Jugend, an die sich die „Allgemeine Zeitung" mit einer Warnung vor diesen „vagen Ideen" wandte, der Palästinagedanke. DieFrage derBegründung eines „Etablissement des Israelites" in Palästina beschäftigte um diese Zeit lebhaft — allerdings nur — einzelne Juden insbesondere in Österreich. Hier hatte ein junger Student, Moritz Steinschneider, um das Jahr 1836 in Prag einen Verein begründet, der die Wiederherstellung der jüdischen Unabhängigkeit in Palästina als sein Programm formulierte. Um Moritz Steinschneider sammelte sich **) Darüber in einem besonderen Aufsatz („Ein König von Jerusalem in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts"). ***) Allgemeine Zeitung des Judentums Jahrgang 1838 Nr. 38 S. 542.

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