Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 590 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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590 S. J. Agnon: das Haupt der Lumpen, und wie Rabbi Awigdor, er soll leben, sich beeilt hatte,. ihn wie einen Aussätzigen auszuschließen aus dem Lager Israels. Und zum Schluß erzählte er mit Spott über den Götzendienst, wie dieser Uriel seinem Großvater, er soll leben, geflucht hatte, aus ihm solle ein Verstoßener verstoßen werden. IV. Kapitel. Die Qual oder Der Fluch des Zaddik wirkt i. Du erschlaffest am Tage der Not. Jene Tage waren, als ob die Lichter am Himmel verwirrt worden 'wären. Noch hatte man das Morgengebet nicht beendet, und schon kam die Zeit des Minchagebetes. Die ganze Welt war in Dunkel versenkt, als ob die Sonne gleichsam aufgehört hätte, im Dienste des Heiligen, gepriesen sei er, zu stehen, um den Geschöpfen vom Lichte der Höhe mitzuteilen. Im Lehrhaus war es halb warm, halb kalt. Die Luft, die von allerhand Dünsten durchräuchert war, erhitzte die Augen und verdunkelte die Kraft des Sehens, verbreitete sich in den Gliedern und nahm die Lust am Lernen fort, als ob die Liebe zur Thora, Gott bewahre, aus der Welt ausgetilgt wäre und die Augen nur dem Schlafe nachhingen. Nimmt sich jemand zusammen und regt die Glieder, wendet die Blätter und öffnet den Mund mit Thorasingen, dann endet er alsbald mit einem Gähnen oder mit einem bedeutungslosen Laut, und die kalte Luft, die einem aus den alten Blättern entgegenweht, schläfert die Seele ein und stärkt das Nichtstun. Jünglinge brechen heimlich eine Leiste vom Pult ab und werfen sie in den lauwarmen Ofen, vielleicht wird der Ofen warm werden und mit ihm der Körper, und man könnte sitzen und ein Blatt Talmud lernen. Menschen sammeln sich zum Gebet, und die Worte sind müde. 2. Sehnsucht. Nur Gerschom allein blieb noch in seiner Thora fest. Sein Singen kräuselte sich melodisch über einem Abschnitt Mischna, den er für den Aufstieg der Seele (seiner Mutter lernte. Und seit Gerschom, über dem von Natur ein Geist der Trauer schwebte, die Mutter gestorben war, schien es ihm, als ob man vom Himmel her Trauer über ihn bestimmt hätte. Zwar bisher war er undankbar gewesen gegen die höchste Vorsehung, die von dem Guten dieser Welt über ihn ausgegossen hatte, so daß es scheinbar ihm an nichts mangelte; aber jetzt, wo er aus dem Schöße des Glücks vertrieben wurde, war seine Trauer eine wirkliche Trauer, und sein Kummer ein leidvoller Kummer, und wenn er weinte, weinte er mit Recht. Ein Trauernder war er; ein Trauernder über seine Mutter. Das Andenken seiner frommen Mutter stieg vor ihm auf, bis seine Seele voll Sehnsucht wurde, wie ein kleines Kind, das Sehnsucht nach seiner Mutter hat. Und diese Sehnsucht zog ihn zum Hause seines Vaters, um an meinem Halse über den Tod der Mutter zu weinen und den Kummer ihrer