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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 589

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
589 (sequence 7)
Language
German
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zwei Jahre alt war, ging ihre Amme mit ihr, um den Fluß, die Strypa, zu sehen, und einen Augenblick lang ließ sie Deine Mutter außer Acht, und sie fiel in die Strypa und versank in den starken Wassern unter der Brücke, wo das Wasser sehr tief ist, mehr als zwei Mann hoch. Und als ein Mann aus dem Schlachthause das sah, da sprang er ins Wasser, ohne die Kleider auszuziehen, und zog sie aus dem Wasser heraus, und so rettete er sie vom Tod und brachte sie in mein Haus. Und sieh nur die wunderbaren Wege des Allwissenden, groß sind die Taten Gottes, denn er wollte, daß Söhne und Töchter nach ihr zurückbleiben sollten, denn so sprachen unsere Weisen seligen Angedenkens: Wer einen Sohn nach sich läßt, dessen Tod heißt nicht Tod, sondern Scheiden. Dieses ist mein geringer Trost, und besonders daß sie einen so klugen Sohn wie Dich nach sich zurückließ, denn ich hoffe, daß Dein Name groß werden wird wie der Name der Großen im Lande. Und so sorge auch Du, daß Du recht befunden wirst im Gerichte, denn sein Urteil und sein Gericht ist Wahrheit. Lerne tagaus, tagein Mischnajot und auch ich pflege so zu tun, und der Herr der Barmherzigkeit berge die reine Seele Deiner Mutter für die Ewigkeiten in der Verborgenheit seiner Fittiche, und er binde ihre Seele in den Bund des Lebens. Amen! Und siehe, eins bitte ich von Dir, das hätte ich gerne. Und das ist: zwar ich weiß, daß Du Dich nicht zu leeren Menschen und Gesindel gesellen wirst, sondern zu Gottesfürchtigen, Großen und Denkenden, dennoch aber nehme ich Anlaß, Dich ernstlich zu warnen vor der Sekte der verdächtigen Chassidim, der Trunkenbolde und Zerstörer des Bundes, die sich wie die Heuschrecken des Feldes ausgebreitet haben. „Nur hüte dich und entferne Dich von dem Häßlichen." Und Gott möge Deine Schritte behüten von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Und aus Verstörtheit des Herzens breche ich ab. Dies sind die Worte Deines verlassenen und verstörten Großvaters Awigdor. Und tausend Grüße dem Herrn über Tausend, meinem Verwandten, dem Rabbi und Gaon, Vorsteher des Gerichts und Haupt der Jeschiwah, sein Licht leuchte. Der Frieden macht in seinen Höhen, gebe seinen Frieden über ihn und über alle, die bei seiner Fahne lagern. Gerschom ließ den ganzen Tag den Brief seines Großvaters nicht aus der Hand. Seine Augen waren auf die Schrift gerichtet, und die Tränen standen ihm in den Augen, und der Heilige, er sei gelobt, ließ die Glorie seiner Gnade über ihm weilen, und er vergaß die Not seiner Seele für eine kurze Weile. Aber wunderbar! Sein Großvater, der doch so klug war, was veranlaßte ihn, ihn vor den Leuten der Sekte zu warnen? Der Ueberbringer des Briefes öffnete seinen Gurt und erzählte in Bequemlichkeit von den Angelegenheiten ihrer Stadt Schibbusch, um Gerschoms Herz vom Hinscheiden seiner Mutter abzulenken. Und von Sache zu Sache kamen sie dazu, wie . die Leute der Sekte den Uriel hatten kommen lassen, Heft 10. 39

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