Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 575 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschafts erziehung pädagogischen Problemen zusammensetzt. Es fragt sich nun, welcher dieser genuinen Anteile den Ergebnissen am stärksten "seinen Stempel* aufprägt. Ich glaube, es ist der pädagogische. Sowohl die Technik als auch die Arbeitsphysiologie und -Psychologie sind, wie bereits mehrfach erwähnt, Substrate unserer Forschung, aus denen sie ihre eigenen Nutzanwendungen zu pädagogischen Zwecken zu ziehen hat. Die Verbindung zwischen der pädagogischen und jugendkundlichen Forschung und der unseren ist eine weit innigere als die zur Technik oder zur Arbeitsforschung, und ihre Lokalisation an einem Institute für technische oder Arbeits-Forschung wäre unzweckmäßig. Es ist ja auch zu bedenken, daß es die immanente Tendenz aller wirtschaftserziehlichen Bestrebungen ist, in Einklang zu kommen mit denen der allgemeinen Erziehung und letzten Endes, wenn die Gesellschaft fähig ist, ihre Jugend wirtschaftsfrei oder wenigstens wirtschaftsfreier als heute zu halten, als integrierender Bestandteil in das System der Allgemeinerziehung einzugehen. Es ist ferner klar, daß schon in der Gegenwart das Positive nicht in den Fabriken, Gütern und bei den Handwerkern zu lernen sein wird, sondern in den Veranstaltungen zum Arbeitsunterricht, in den Fachschulen und in den wenigen Lehrwerkstätten. Betonen wir bei allen Vorschlägen nicht so sehr deren wirtschaftlichen als deren pädagogischen Wert, so entgehen wir einerseits dem Zwange, alles unter dem heute allein als wirtschaftlich geltenden Rentabilitätsprinzip projektieren zu müssen, und so dem Mißtrauen der jugendlichen Arbeiter, andrerseits bringen wir den Charakter des Versuchsartigen, Musterhaften, den alle ersten praktischen Veranstaltungen notwendigerweise tragen werden, besser zur Geltung. Auch die psychische Einstellung der Jugend darf bei all dem nicht übersehen werden; der Antrieb zu selbständigem Streben, den ein 14 oder 15jähriger als Lehrling oder als Schüler hat, ist gewiß ein beträchtlich verschiedener, wenn es sich auch inhaltlich um das Gleiche handelt. Ich möchte zumindest diese Erfahrung als eine an jüdischem Materiale gesicherte hinstellen. Halten wir Umschau, wo es im jüdischen Volke eine Instanz gibt, der wir unsere Aufgabe vertrauensvoll übergeben können, so finden wir eigentlich keine. Wir haben keine spezifisch palästinensische Aufgabe und können uns daher nicht der zionistischen Organisation allein anvertrauen, solange diese die Leistung von Vorbereitungsarbeiten in der Galuth ablehnt. Wir wollen keine unmittelbare Hilfeleistung und können uns daher nicht dem Joint Distribution Committee anvertrauen, obzwar wahrscheinlich alle praktischen Veranstaltungen im Osten mit dieser Körperschaft in Zusammenhang stehen werden. Wir haben keine Vertretungskörper des jüdischen Volkes mit wirtschaftlichen Funktionen, und wir haben schließlich von den Staaten, in denen sich die jüdischen Massensiedlungen befinden, keinerlei nennenswerte Unterstützung zu erwarten. Es wird aus diesen Gründen gut sein, die Forschungsarbeit, sofern dies nur irgendwie möglich ist, unabhängig von großen öffentlichen Körperschaften zu machen und ihre Ergebnisse von Fall 38*