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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 574

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
Date
1920-01-01
Page
574 (sequence 10)
Language
German
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574 Erwin Kohn: unserer Forschungen ein alle Mühen und Aufwendungen reichlich lohnender sein werde. Ich möchte nur an dieser Stelle Folgendes zu bedenken geben: Wir stehen vor der Situation, bald hier, bald dort aus verschiedenen Ursachen Einrichtungen zur Wirtschaftserziehung treffen zu müssen. Wenn ich das jüdische Volk isoliert betrachte, so scheint es mir sicher, daß es sich in kurzer Zeit wird entschließen müssen, Ernst zu machen mit der Erziehung der vielen kindlichen und jugendlichen Kriegsopfer im Osten und mit der Heranbildung einer arbeitenden Menschheit für Palästina in oder außerhalb dieses Landes. Daß diese Erziehung zum überwiegenden Teile in der Richtung der manuell produktiven Berufe erfolgen wird, duldet gleichfalls keinen Zweifel. Und nun frage ich: Hat es einen Sinn, von irgendwo ungeprüfte Voraussetzungen zu übernehmen, hat es einen Sinn, aufs Geratewohl Werkstätten, Farmen usw. zu errichten oder jüdische Handwerker in größeren Mengen zu veranlassen, jüdische Kinder bei sich auszubilden, hat es einen Sinn, die Tausende von Elendsexistenzen, für die man ohnehin ' sorgen muß, bequeme Ausbeutungsobjekte irgendwelcher Industrieller werden zu lassen, oder ist es besser, auch unter der Aufwendung unproduktiven Kapitals für Forschungszwecke allen diesen Schwierigkeiten zu entgehen und die Möglichkeit zu Projektierungen von Anstalten zu bieten, die in ihrer Art das schlechthin Vollkommenste sind, das die Gegenvart mit ihren wissenschaftlichen Hilfsmitteln zu schaffen vermag? Ist es besser, in Warschau, Bialystok, Jerusalem, Wien, St. Louis jüdische Lehranstalten für Gewerbe oder Landwirtschaft zu errichten und nun zu warten, wie sich deren Entwicklung gestalten wird, durch welche Kinderkrankheiten sie hindurch müssen, ob sie überhaupt prosperieren werden oder ob man diese Idee als unglücklich aufgeben muß, mit einem Wort, wieder einmal epimetheische Tätigkeit zu entfalten, oder ist es besser, den Extrakt aller Erfahrungen der alten und der neuen Welt auf diesem Gebiet, von erstrangigen Fachleuten durchberaten, fertig in der Gestalt von Plänen und Anweisungen für alle erdenklichen Details zu erhalten, zu deren Ausführung keine genialen Organisatoren, sondern in der Mehrzahl' brave und gewissenhafte Beamte erforderlich sind? Kann sich das jüdische Volk bei den Maßnahmen zur Produktivierung seiner Jugend wirklich alle Unterlassungssünden und Fehler der anderen Völker leisten oder hat es nicht die einfache Pflicht, gerade aus seiner historischen Aufgabe, aus der Zwangsituation heraus, in der es sich befindet, Endgültiges und Beispielgebendes zu schaffen?! Es muß alles vorher überlegen, weil ein Mißlingen hier kein Zurückwerfen, sondern das Ende bedeutet. Bleiben wir bei der Annahme der Eingliederung der angeführten Institutionen in den Rahmen der, jüdischen Aufbautätigkeit, so gilt es noch, gewisse organisatorische und Kompetenzfragen einer Erledigung zu unterziehen. Es ist bereits erwähnt worden, daß unser Forschungsgebiet sich aus technischen, arbeitsphysiologischen und -psychologischen, sowie aus

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