Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 572 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3101111-3101163-3101172-3106084--4508-3106124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
572 Erwin Kohn: werden kann. Wir haben noch nachzutragen, was vom Subjekt unserer Forschung vorausgesetzt werden muß. Ich glaube, daß wir mehrere Typen von Forschern benötigen: 1. Techniker für alle Produktionszweige, die sich auf den Unterricht in ihnen spezialisieren wollen. 2. Nationalökonomen, die sich mit der Projektierung, Kalkulation, Buchführung, Lohnverrechnung usw. von Lehrbetrieben vom organisatorischen, finanziellen und statistischen Standpunkte aus befassen. 3. Physiologen (Aerzte), die spezielle Forschungen unter arbeitender Jugend angestellt haben, bezw. Praxis in solchen Kreisen besitzen und ihre Erfahrungen systematisch verwerten wollen. 4. Psychologische Pädagogen und zwar solche, deren Arbeitsgebiet die Altersstufe der Pubertät bildet, die ein starkes Arbeitsinteresse haben und für die die erwähnten psychologischen und soziologischen Forschungen sowie der pädagogische Einschlag in allen übrigen Dingen reserviert bleiben muß. Zwischen diesen vier Forschertypen muß eine sehr innige Arbeitsgemeinschaft bestehen, sie müssen in ständigen. Austausch und in Kontrolle ihrer einzeln gewonnenen Ergebnisse treten, viele Fragestellungen können überhaupt nur gemischt bearbeitet werden und Vorschläge für praktische Durchführungen werden ihrer aller gemeinsame Arbeit darstellen. Aus dieser arbeitsteiligen Anlage ergibt sich eine Schwierigkeit und ein Vorteil. Die Schwierigkeit, daß bei Fehlen eines Fachmannes, bei Uneinigkeit, bei Zeitmangel des einen oder des anderen die Arbeiten aller in gewissem Maße gehemmt werden und praktisch brauchbare Resultate überhaupt nicht zu erwarten sind; der Vorteil, daß die Forschungsobjekte tatsächlich von jedem nur möglichen Gesichtspunkte her betrachtet werden und so auf dem Gebiete der Wirtschaftserziehung vermieden wird, was auf dem der allgemeinen Erziehung so viel Schaden verursacht hat und noch heute verursacht, die Erzeugung von Gegensätzen zwischen Lehrern, Psychologen, Aerzten, Elternhaus und Leben. Ein unter Hinzuziehung aller real wirksamen Faktoren gebautes Erziehungssystem darf auch den Anspruch erheben, der Realität am meisten gewachsen zu sein, weil es ihre Schwierigkeiten am stärksten erfahren hat. Während der Physiologe und der Pädagoge ihre Forschungen an jedem lebenden Material beginnen können, da alles gleich wichtig und alles gleich unerforscht ist, ist für den Oekonomen und für den Techniker die Sammlung beträchtlichen Materiales vonnöten. Es wird sich daher von Anfang an für die Arbeitsgemeinschaft die Anlage eines gemeinsamen Archives empfehlen, in dem ungefähr das Folgende zu sammeln wäre: 1. Ein möglichst detailliertes Verzeichnis der allerorts bestehenden landwirtschaftlichen, handwerklichen und industriellen Lehreinrichtungen u. zw. sowohl Schulen als auch Musteranstalten, Lehrlingschulen, Invalidenschulen, Blinden-, Krüppelfürsorge usw. Womöglich wären diesem Verzeichnisse