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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 571

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
Date
1920-01-01
Page
571 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung < 4. Die Psychologie der Arbeitswahl und der Arbeitsstörungen. Sie hat mannigfache Fragestellungen. Erstlich die, eine typische Ontogenese der Arbeitswahl zu liefern, also die Stoff- und Formreihe, in der sich die Beschäftigung von Kind und Jugendlichem bei freier Wahl zu bewegen pflegt, wobei gewiß nicht ein Typus sondern eine Anzahl Typen resultieren wird. Neben diesen Längsschnitten Querschnitte durch die verschiedenen Lebensalter mit den für sie typischen Arbeitsweisen. Schließlich das Studium des libidinösen Anteiles an der Arbeit, der Einfluß der einzelnen Phasen der Sexualentwicklung auf sie und der durch den Phasenwechsel, durch normalen oder abnormalen Phasenverlauf bedingten psychogenen Arbeitsstörungen. Der Zusammenhang zwischen Organanlage und Arbeitswahl, die Formen der Ueberkompensation von Organminderwertigkeiten. Soweit dabei hereditäre Momente, soziales Milieu, Kinderwünsche, jugendliche Tagträume usw. zur Mitbeobachtung gelangen, wird diese arbeitspsychologische Forschung zugleich die für die Erkennung der Berufswahlmotive und führt damit zur 5. Spezialisation der Arbeitsvorgänge gemäß den individuellen Fähigkeiten der Jugend. (Deckt sich nur teilweise mit der modernen „Begabungsforschung".) Die Frage, ob und in welchen Materialbearbeitungen und in einem wie umfangreichen Berufsgebiete der Jugendliche im System der Wirtschaftserziehung ausgebildet werden soll, ist gänzlich unentschieden. Wir sind durch nichts gezwungen, die heutige, aus rein technischen Bedürfnissen hervorgegangene Berufsspezialisation, bei der neben arbeitsteiligsten Verrichtungen universalgeniale Funktionen bestehen, als auch im Bereich der Wirtschaftserziehung maßgeblich anzuerkennen. Es ist nicht erprobt und daher nicht bewiesen, ob es besser ist, Jugendliche bloß in der Landwirtschaft oder in der Landwirtschaft und in einem Handwerk auszubilden. Es ist nicht zur Regel gemacht und daher nur als Ausnahmefall anzusehen, wenn Jugendliche 2 oder 3 Handwerke erlernen, obwohl beim heutigen Stand des Handwerks und einer rationellen Ausbildung in der zur Verfügung stehenden Zeit gewiß jeder Vollsinnige deren 2—3 erlernen, bezw. in einem die allerfeinste Spezialausbildung erhalten kann. Das alles sind durchaus offenstehende Fragen, die für die Berufsberatung und für die Berufszuweisung von allergrößter Bedeutung sind. 6. Die eigentliche wirtschaftspädagogische Forschung, ein Gemisch von technischen und pädagogischen Prinzipien, hat die Aufgabe, die einzelnen, zu „Berufen« zusammengefaßten Verrichtungen nach dem Gesichtspunkte der Lehrbarkeit zu ordnen, Zeit und Art der Erlernung zu bestimmen usw. Sie arbeitet das aus, was man den Lehrgang der Wirtschaftserziehung heißen könnte. Betrachten wir mit der Aufzählung dieser Fragestellungen den Umfang unseres Wissensgebietes für vorläufig erschöpft und halten wir Umschau, in welcher Weise die Forschung, Sammlung, Prüfung und Erprobung begonnen

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