Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 570 (sequence 6)
- Language
- German
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570 Erwin Kohn: größten Demonstrierbärkeit andererseits. Die Verteilung der Arbeitsplätze in jedem Raum, die Anzahl der Vorarbeiter, die Dotierung jedes einzelnen Arbeitsplatzes mit Werkzeug usw. d) Symbolisierung und visuelle Darstellung von Arbeitsvorgängen und Arbeitsstücken. Diese Forschungsabteilung führt die für jeden Arbeitsprozeß und jedes Arbeitsstück zu gebrauchenden Symbole und Abkürzungen ein. Sie entwirft große Uebersichts- und Erläuterungstafeln, die den im Räume Arbeitenden sofort über das, was in ihm vorhanden ist und zu geschehen hat, orientieren, so daß ein Minimum an Arbeitszeit durch Reden und Fragen verloren geht, was ja sonst in jedem einigermaßen komplizierten Lehrbetriebe eine empfindliche Störung bedeuten würde. — Sie beschäftigt sich auch mit Arbeitsphoto- und -kinematographie. Sämtliche Aufgaben der Betriebwissenschaft, die noch erübrigen, sowie große Teile der bereits angeführten sind nichts von unserer Wissenschaft erst Aufzubauendes, sondern werden von der allgemeinen Betriebslehre, die letztere insbesondere von den taylorisierten Betrieben, mit geringen Aenderungen übernommen werden können. Die Modifikationen werden sich immer auf die Brauchbarmachung aller dieser Einrichtungen fürUnterrichtszwecke beschränken und werden unter den allgemeinen Gesichtspunkten von Intensität und Rentabilitätvorzunehmen sein, die die Prinzipien der Wirtschaftserziehung erheischen» 2. Mit den Einflüssen der manuellen Arbeit auf den jugendlichen Körper, mit der Lehre davon, in welcher Weise dieser imstande ist, die Schwierigkeiten der Arbeit stufenartig zu überwältigen, mit der Lehre von den Arbeitspausen, der Arbeitsdauer usw. wird sich die Arbeitsphysiologie (zum Teil auch die Arbeitspsychologie s. u.) zu beschäftigen haben, bei der -die Ermüdungsforschung einen relativ selbständigen Teil ausmachen wird. 3. Die angewandte Soziologie der jugendlichen Arbeit. Bei allen Gelegenheiten zur Gesellung Jugendlicher ergeben sich natürliche Gesellungsprinzipien nach gewissen erotischen und anderen Momenten, die in Einklang gebracht werden müssen mit der wissenschaftlich errechenbaren optimalen Größe und Gliederung der Arbeitsgruppen. Diese werden ja in jedem einzelnen Falle verschiedene Größen annehmen und es wird kaum möglich sein, fixe Zahlen, an denen unverbrüchlich festgehalten werden muß, anzugeben. Und doch wird es wichtig sein, es nicht der Willkür der Jugendlichen oder der Willkür der Leitenden zu überlassen, ob 20 oder 100 ein Kartoffelfeld jäten, ob 5 oder 25 der Demonstration einer Maschine beiwohnen, ob ein jugendlicher Gruppenführer 10 oder 30 zum Auskehren der Werkstätte zugewiesen erhält usw. Für alle diese Gruppierungen giebt es Grenzen, die die Sache, an der gearbeitet wird, die Güte und Genauigkeit der Arbeit, die Möglichkeit, sie zu leiten, zu rythmisieren, arbeitsfördernd oder arbeitshemmend aufeinander einzuwirken, zieht und innerhalb deren erst das Führertalent des Gruppenführers freie Wahl haben darf.