Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 568 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Erwin Kohn: machen. Er muß auf die tausend Fragen, die sich für einen Neuling am Schraubstock ergeben, unermüdlich freundlich Bescheid geben und nicht nach „bewährtem" falschen Muster warten, bis der Schüler, durch Schaden klug geworden, von selber darauf kommt. Er muß im Gegensatz zum Lehrer für Geschichte eine bestimmte Stundeneinteilung haben, damit die Werkstätte in ununterbrochenem Betriebe bleibe. Ein Fehlender hat nicht die Möglichkeit, durch Bücherlektüre sein Wissen zu ersetzen und schafft außerdem durch Brachliegen eines Arbeitsplatzes eine wirtschaftliche Einbuße. Der Schüler, der einmal eine bestimmte Arbeit begonnen hat, muß sie so lange fortsetzen, bis aus ihr etwas geworden ist, ja er muß, wenn es sich um das Zusammenfügen von verschiedenen Teilen zu einer Maschine handelt, dies sogar pensumartig in einer bestimmten Zeit tun, die ganze Art des Unterrichts muß ihn veranlassen, seine Arbeit nach kleinsten Zeiteinheiten abzumessen, kurz, auf entgegengesetzte Weise zu arbeiten, als dies bei irgend einem Studium der Fall zu sein pflegt. Für das Ausbildungsziel ist es fast gleichgültig, ob der Schüler eine positive Stellung zum Eisen als Ganzem einnimmt und über dessen Entstehung und Bedeutung in der Welt ähnlichen Anschauungen huldigt wie sein Lehrer. Dagegen ist es von größter Wichtigkeit, daß er auch mit der kleinsten technischen Arbeitsverrichtung an diesem Stoffe vertraut ist und sich mit ihm in jeder Situation zu helfen weiß, gerade das Tatsachenwissen besitzt, auf das in den Geisteswissenschaften der relativ geringste Wert zu legen ist. Der Unterweisungsbeamte für derartige manuelle Arbeit ist also in fast allen Stücken der vollendete Widerpart des geisteswissenschaftlichen Lehrers, und es muß nichtsdestoweniger von ihm verlangt werden, daß er, auf seinen persönlichen Wert hin betrachtet, etwas darstelle, das die Jugendlichen zumindest nicht abstoße, daß er sie ihrem Wesen gemäß behandle, sich außerdem mit den Neuerungen seines Faches ununterbrochen beschäftige, selber weiterlerne. Vielleicht hat das Beispiel außer dem Beitrag zur Klarlegung des methodischen Unterschieds zwischen geisteswissenschaftlichem und handwerklichem Unterricht gleichzeitig einen Beitrag zur Abgrenzung dieser Wissenschaft gegen die Technik geliefert. Mit einem Teil dieser, der Betriebswissenschaft, hängt sie allerdings aufs innigst^ zusammen, und was für die Führung von Betrieben im allgemeinen gilt, wird sich unschwer auch auf Lehrbetriebe anwenden lassen. Dagegen fangen die Schwierigkeiten und damit die Notwendigkeit einer Abgrenzung schon bei jedem Spezialgebiet an. Was soll von Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie in einer Lehrwerkstätte gezeigt, woran und in welcher Reihenfolge unterrichtet werden? Die niederen Fachschulen sind nicht in der Lage, hierüber Auskunft zu geben, weil sie meist einen mit Rücksicht auf bestimmte Beschränkungen eingerichteten Lehrplan haben und ihre Lehrwerkstätten wegen Geldmangel nicht auf der Höhe der Zeit stehen. Sie verfolgen übrigens im Wesen ihrer Ausbildung nicht so sehr die Verbreitung von praktischen als die von theoretischen Fertigkeiten, schulen