Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 509 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101163-3101171-3105914--4419-3106020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Verstoßene 509 Lebenskraft des Sabbath zu halten suchten, stampfte Gott in den Himmeln auf, und das große Tor wurde geöffnet, und die Schechinna aus ihrem Palaste verbannt; da erzitterten alle frommen Männer und setzten sich auf die Erde, durch ihre Klage der Schechinna Liebe zu erweisen. Während sie noch saßen und der Schechinna Liebe erwiesen, kehrte die Hausfrau zurück und brachte die Schüssel voll Kartoffeln, und der Hausherr kehrte zurück und brachte Getränk. Sie schälten und aßen, schenkten ein und tranken, und beschäftigten sich mit Worten der Frömmigkeit und des Vertrauens auf die Weisen, bis der Hahn zum Morgengebet krähte. So saßen sie und taten sich gütlich in Reinheit und Fülle, bis alles Fühlen von ihnen genommen wurde. Plötzlich erwachten sie von ihrem süßen Schlafe, und von selbst begann wieder das Tanzen. Und wessen Gürtel noch an seinen Mantel geheftet war nach Art der Widersacher, der umgürtete sich mit Mut und Stärke und riß ihn mit einem Male herunter. Und obwohl er seine Kleidung schadhaft machte, fürchtete er sich nicht vor seinem Weibe. So tanzten sie, bis sie den Staub von ihren Füßen aufwirbelten, gleichsam bis zum Throne der Herrlichkeit. Und der Rabbi, Rabbi Uriel, saß in der Tiefe seines Denkens und der Schwäche seiner Kräfte und sah die Vergnügungen Israels. Und obwohl sie sich wie Tiger gebärdeten, waren sie in seinen Äugen wie Cherubim. ro. Licht ist gesät für den Zaddik. Da dachte der Rabbi an den Eingang des Sabbath, der in Stille und mit traurigem Antlitz sich vollzogen hatte, und jetzt war sein Ausgang mit hellen Stimmen und vieler Freude und kostbarem Licht, und er begann zu fürchten, daß vielleicht das ganze Aufleuchten nur aus den dämonischen Sphären stamme. Sein Gesicht wurde gelb, und er wandte seine Augen von der ganzen Freude ab. Er sprach vor Gott, gelobt sei er: Herr der Welt, der auf die Schmach der Verschmähten sieht und auf mein zerbrochenes Herz, gib dein Licht und deine Wahrheit, daß wir vor deinem Angesichte wandeln! Und er stärkte sein Herz mit Gesängen. Gleich blitzte ihm das geistige Licht auf, und seine Glieder flammten auf im Lichte der Wahrheit, wie er es noch nie in seinem Leben gekostet hatte. Da lenkte er seinen heiligen Sinn von dem Verhängnis der Vertreibung ab und gab sein Herz dem Geheimnis der Werke des Schöpfers, daß alles in der Welt seiner Vorsehung gemäß geschaffen wurde. Und er grämte sich nicht weiter und begann einzusehen, daß kein Zwiespalt in dem war, was er hatte tun wollen, sei es, daß es nach seinem Willen geschehen war, sei es, daß es wider seinen Willen geschehen war. Und wäre er recht befunden vor dem Schöpfer, dann wäre ihm Beistand geworden, es zu vollenden, nun aber, da es nicht geschah, mußte er gewiß keine Gunst gefunden haben, und aus der