Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 507 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verstoßene 507 ergriffen und waren geflohen, um sich vom Licht des Antlitzes ihres Rabbi erleuchten zu lassen. Der Rabbi freute sich sehr, und er entbot jedem einzelnen der Ankömmlinge den Friedensgruß. Und alle Chassidim und frommen Männer freuten sich sehr und schrien mit lauter Stimme: Friede mit euch!, bis die Schenke vor ihren Stimmen barst. Und sie tranken sich zu mit großer Freude, und nach dem Becher freute sich der Rabbi noch mehr, und seine Chassidim freuten sich mit ihm. Manche weinten aus Freude und Verzückung, und manche schrien, denn ihre Freude war sehr groß. Und der Hausherr kam herein und mit ihm Lasten von Speise und Trank, und er spendete ihnen in Fülle von dem Guten, wie Gottes Hand es ihm gegeben hatte. So saßen die Herzerfüllten der schönen und frommen Versammlung. Alle waren sie umkränzt mit innerlicher Gottesfurcht und mit Freude am Gebot, und sie umkrönten den Tisch des Rabbi beim Geleitmahl der Königin Sabbath. Und der Rabbi leuchtete von der Größe Gottes, er sei gelobt, vom Widerschein des himmlischen Spiegels. Und diese fügten sich den ersten an: Sänwel-Henoch der Dicke, der das Mahl des Sabbathausgangs bis zur Dunkelheit des nächsten Freitagabends ausdehnte. Herschel-Hundertsegen, der die Branntweinflasche nicht aus der Tasche ließ, um die hundert Segenssprüche an jedem Tage voll zu machen. Meschullam-Sische, der Fleischhauer, ein Mensch mit warmen Worten und gutem Herzen, der den Blick dafür hatte, sogar in einer Kuggel den Darm zu erkennen, der ihm gestohlen worden war. Salke, der Gemüsehändler, ein einfacher Mann, erstaunlich an einfachem Glauben. Und der zuletzt'kommt, ist der Liebste: David, das ist der Kleine, ein Jude, der aus der Welt des Gesanges stammte und allerhand Instrumente zu spielen verstand. Dieses waren die erlesenen Chassidim, die in der Stadt geblieben waren, weil ihre Zeit nicht gereicht hatte, mit dem Rabbi fortzuziehen, und sie hatten die Macht der Einsamkeit nicht ertragen können und waren wie ein Mann am Sabbathausgang in die Herberge gekommen. Sie' und ihre Streimel und Kleider, alles war voll Schnee, als ob sie sich im Schnee umgewälzt hätten, weil sie es versäumt hatten, am Freitagabend mit dem Rabbi zu gehen. Und die Freude erneuerte sich, und die Neuen, die von nahe gekommen waren, tranken wieder und wieder und überwanden die Kälte in ihren Gliedern. Da flackerte das innerliche Feuer auf und das vollkommene Leuchten offenbarte sich, und sie empfingen Erstarkung voneinander, und Liebe, Liebesbezeigungen und Leben wurden herabgezogen. Das ist es, was unsere Weisen sagen: Groß ist das Trinken, denn es bringt die Liebe herbei und macht sie stark. Und alle, die singen könnten, begannen zu singen und sangen immer weiter.