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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 505

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
505 (sequence 6)
Language
German
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Der Verstoßene 505 vielleicht ist seine Absicht auf ein gutes Werk gerichtet, weil er von seinem Vater gehört hat, daß es ein gutes Werk ist, die Mahlzeit am Sabbathausgang zu essen; darum will ich gehen und ihn rufen. Und er ging nach der Brennerei vor dem Dorf, um den Meister zum Mahl zu rufen. Und als er nahe herangekommen war, sah er hin: da strahlte ein Licht durch die Fenster. Er dachte bei sich: Sicherlich stehlen die Arbeiter von dem Branntwein; denn er wußte, daß sie bei Nacht nicht arbeiteten. Und er stellte sich hinter die Wand, um zu sehen, was dort geschehen würde. Und es geschah, als er durch das Gitter lugte, da sah er den Meister sitzen und mit ihm einen alten Mann, dessen Aussehen war wie das Aussehen eines Königs, und ein kleiner Tisch war vor ihnen und auf ihm köstliches Brot, frisch und überaus schön, Fleisch und Fische und alle Köstlichkeiten der Könige. Da verstand der Hausherr, daß es keine gewöhnliche Sache war, und stand erschreckt und zitternd. Und siehe, zu ihm drang eine Stimme und doch keine Stimme, und er neigte sein Ohr, zu hören. Und er hörte, wie der Meister den Alten fragte: Es steht im Midrasch: „Ich fand meinen Knecht David, mit heiligem Öl habe ich ihn gesalbt. Wo fand ich ihn? In Sodom!" Und dieser Midrasch ist verschlossen und versiegelt. Und der Alte antwortete ihm: „So haben wir in der himmlischen Jeschiwa gelernt: In Sodom, das sind die Anfangsbuchstaben von: beim Mahle des Königs David. Das bedeutet: bei dem Mahle, das er mir vorbereitet hat, erfand ich ihn mir treu.*' Als der Hausherr dies hörte, floh er von der Mauer und flüchtete nach Hause. Und er konnte die ganze Nacht nicht schlafen und stand auf der Wacht, auslugend nach dem Lichte des Morgens. Am Morgen kam der Meister, seinen Tallis und seine Tefillin zu holen, wie das alle Tage seine Art war. Und als er auf die Schwelle des Hauses trat, da stand der Hausherr aufgerichtet vor ihm und sprach: „Mein Rabbi und Lehrer, ich will nicht die Ehre Eurer Thora beflecken, daß Eure Heiligkeit für mich Arbeit tut, da ich doch nicht einmal würdig bin, vor Euch zu dienen, geschweige denn, daß Ihr mir dienen solltet in einer solchen Arbeit." Und es antwortete ihm der Rabbi und sprach: „Was ist Euch, daß Ihr solche Worte sprecht, um mich zu verlachen?" Aber der Hausherr sprach: „Länger könnt Ihr Euch nicht vor mir verbergen, denn ich habe Euch gestern gesehen und den Alten, der bei Euch saß, und ich weiß genau, daß Ihr ein großer Zaddik seid. Nur eines bitte ich Euch, das hätte ich gerne, daß Ihr mir die Wahrheit darüber offenbart, wer dieser Alte war, den ich gestern abend mit Euch gesehen habe." Und der Rabbi antwortete: „Das ist doch Elijahu, und er kam, mir zu verkünden, es sei von oben befohlen, daß ich nach Przeworsk gehen soll, um dort Rabbi und Maggid zu sein. Und ich sprach: Wie soll ich nach Przeworsk gehen, denn dieser Mann Moscheh ist dort als Unwissender be-

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