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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 504

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
504 (sequence 5)
Language
German
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504 S. J. Agnon: der den Branntwein macht, verlassen hat und uns dadurch großen Schaden getan hat. Vielleicht verstehst du dieses Handwerk? Da antwortete ihnen der Rabbi und sprach: Freilich verstehe ich es, und bin ein erfahrener Meister in dieser Arbeit. Als sie seine Worte hörten, umgürteten sie sich mit Kraft und Freude, daß Gott, er sei gelobt, ihnen ohne Suchen und Mühe einen Meister ins Haus geschickt hatte. Sogleich führten sie ihn in die Brennerei und zeigten ihm ihre ganze Werkstatt, und der Hausherr mahnte die Arbeiter, diesem Manne beizustehen: aufs Wort sollten sie ihm folgen. Am Morgen darauf kamen die Arbeiter, ihn zu fragen, wie sie sich bei der Herstellung des Branntweins verhalten sollten. Er sagte ihnen: Wie ihr bis heute zu tun pflegtet, so tut auch jetzt, und alles, was mir nicht gefällt, werde ich verbessern, wie es mir recht sein wird. Sie hörten es und kehrten zu ihrer Arbeit zurück und "taten ihr gewöhnliches Werk. Und Gott segnete das Haus des Mannes und er hatte hundertfachen Gewinn von dem Branntwein, um des Meisters, des verborgenen Zaddik, willen. Und er fand Gunst in den Augen des Branntweinbrenners und er überließ ihm die ganze Herstellung des Branntweins und des Honigmets, und er wußte von nichts, was dort geschah. Der Rabbi nahm dort seine Wohnung, und alle seine Sachen nahm er mit nach der Brennerei, nur seinen Tallis und seine Tefillin ließ er im Hause seines Herrn. Und jeden Tag ging der Rabbi zum Hause seines Herrn, sie von dort zu holen und in der Branntweinbrennerei zu beten, und nach dem Gebet brachte er sie wieder dorthin zurück. Und die Sache schien wunderbar in den Augen aller, die es sahen, denn alle seine Sachen lagen bei ihm, aber seinen Tallis und seine Tefillin trug er jeden Tag zum Hause des Herrn und schaffte sich um ihretwillen viele vergebliche Mühe. Deshalb sahen sie ihn als einen Narren und Unwissenden an, nur daß sie ihn für einen schlichten und redlichen Mann hielten. Auch war es seine Art, an der Mahlzeit zum Geleit der Königin Sabbath teilzunehmen, und darum war er gezwungen, immer am Ausgang des heiligen Sabbath in das Haus seines Herrn zu kommen. Einmal am Sabbathausgang kam der Rabbi nach seiner Art zum Mahle, und der Hausherr war noch mit Rechnungen mit den Arbeitern beschäftigt. Er wartete sehr lange, und als er sah, daß der Hausherr sehr beschäftigt war, ging er wieder an seinen Platz in der Brennerei. Als der Hausherr damit fertig war, die Abrechnung mit den Arbeitern zu machen, wollte er sich der Mahlzeit des Sabbathausganges zuwenden. Er drehte sich hierhin und dorthin und sah, daß der Meister nicht mehr in seinem Hause war. Da fragte er sein Gesinde, und sie sagten: Der Meister ist gekommen und hat sehr lange gewartet, und als er sah, daß Ihr sehr beschäftigt wart, wandte er. sich und ging seines Weges. Der Hausherr sprach bei sich: Er scheint doch ein einfacher Mann zu sein, vielleicht will er essen, um seine Seele zu stillen, weil er hungert, oder

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