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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
501 (sequence 2)
Language
German
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Der Verstoßene der Rabbi am Ausgang des heiligen Sabbath nicht Hawdala gemacht hatte, lagen die Schlüssel der Hölle noch in seiner Hand. Und aus großem Erbarmen mit den Verlorenen und Verstoßenen in den Tiefen der Hölle war sein Herz sehr zerbrochen, und er vermochte es nicht, den Becher zu erheben, bis das Licht der kommenden Woche über ihm blinkte. Nach der Hawdala sammelten sich die Herzerfüllten um ihn, und er zeigte ihnen ein großes Licht und hieß sie eine schöne Melodie singen und sich freuen, daß sie begnadet waren, vom Samen Israels zu sein und sich Gott zu nahen und den wahren Zaddikim, die sie auf dem Wege der Wahrheit leiten und führen. Und er festigte sie sehr und wies sie wieder und wieder, froh und freudig zu sein, da eine neue Woche anbreche und es des Nahens und Erwachens zum kommenden Sabbath bedürfe. Da stärkten sich die frommen Männer und festigten sich und zerbrachen alle Hemmungen. Sie erweckten ihr Herz mit scherzhaften Worten und durch den Schein der Freude wurden sie ins Innere der Freude versetzt. 3. Die Sanftmütigen sollen essen und satt werden. Die Wirtin stand auf und ging mit ihrer Magd in den Keller hinab. Sie zündeten einen Span an und gingen zu einem Haufen Kartoffeln hin. Sie füllten die Schürzen damit, stiegen herauf, ließen sich auf die niedrigen Schemel nieder, zogen die Füße an sich und schälten die Kartoffeln: das Innere taten sie in einen Topf und die Schale warfen sie auf den Lumpen. Die Klinge ihrer Messer glitzerte, der schwarze Griff zitterte, und beide niesten sie von dem Kellergerüch, den die Erdäpfel angenommen hatten. Da bekreuzigte sich die Magd und spie aus, und die Herrin, wohl zu scheiden, sprach: Auf deine Hilfe hoffe ich, Gott! Sie standen auf und schütteten die Kartoffeln ins Wasser, streuten Salz darüber und stellten den Topf in den Öfen. Die Hausfrau spannte alle Kraft des Denkens an, sie gehörig zu bereiten, ihr Kochen und Backen zu richten und den wahren Geschmack in sie hereinzuziehen. Und bis sie kochten, bereitete sie die Rübensuppe zu. Sie quirlte die rote fette Rübensuppe. Die Schürze fiel ihr bis über die Knie und die weißen Perlen, mit denen sie sich zu Ehren des Sabbath geschmückt hatte, glitzerten von dem roten Glanz des Gerichts und kühlten ihren heißen Hals. Sie verschränkte behaglich die Hände über den Leib und ließ ihre Blicke nach der Suppe hin gehen, die wert war, sogar auf die Tafel von Königen zu kommen. Plötzlich blitzte ein guter Gedanke in ihrem Herzen auf. Sie nahm etliche tadellose und saubere Kartoffeln, spülte sie gut ab, warf sie, noch in der Schale, *n einen Kessel kochenden Wassers und schürte das Feuer, damit sie rasch kochen sollten. Das Wasser wurde siedend heiß, und die Kartoffeln kochten, verloren ihre Hülle und wollten aus dem Topf springen. Da kippte sie den Topf um und goß sie gut ab, warf Schmalz und in Schmalz gebratene Zwiebeln Heft 8/9. ~ ° 33

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