Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Jüdische Friedhofskunst
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 496 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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496 Erich Toeplitz: zuhelfen gedenkt*). Zwar sind über einzelne jüdische Friedhöfe, besonders Deutschlands, Spezialarbeiten erschienen, doch berücksichtigen sie nur die geschichtliche und allenfalls noch die poetische Wertung der Epitaphien; des öfteren weisen sie zwar gute Bildbeilagen auf, ohne jedoch eine kunstgeschichtliche Betrachtung zu geben**). Wir müssen daher, um festzustellen, ob es eine eigenartige, jüdische Friedhofskunst gab, und worin sie zu erkennen ist, die jüdischen Grabstätten untereinander und mit den nichtjüdischen derselben Zeitabschnitte vergleichen. Von letzteren sind besonders wenig erhalten, und wir sind meist auf Abbildungen in Büchern und Sammelmappen angewiesen, die aus jeder öffentlichen Bibliothek oder den Studiensammlungen der Kunstgewerbeschulen bezogen werden können. Was uns schon bei der rein ästhetischen Wertung der alten jüdischen Friedhöfe aufgefallen war, ist die Gleichheit, die nur bei den Ruhestätten der Rabbinen um ein weniges durchbrochen wird. Denen, die auf Erden sich der Gelehrsamkeit gewidmet, die gebührende Ehrerbietung auch im Tode zu erweisen, ist ein grundjüdischer Gedanke, der in unserem Zeitalter der Achtung vor der Größe der Geldbeutel hat weichen müssen; man unterscheidet zwischen teuren Gräbern „mit" Gittern und den billigen „ohne" diese Errungenschaft. Ferner beachteten wir bereits die Abmessungen und das Material der Grabsteine, die weniger auffällig und klotzig waren, als die heute üblichen, aber dafür Inschriften aufwiesen, die aus einem innig empfundenen Judentum herausgeboren waren. Es sind kulturgeschichtliche Dokumente, deren sich die jüdische Gemeinschaft nicht zu schämen braucht, denn sie sprechen in beredten Worten von ihrer inneren Festigkeit, die allen äußeren Anfeindungen zum Trotz ihr eigenes und oft die Zeitkultur überragendes Gepräge bewahrte. Heute enthalten die hebräischen Texte neben zahlreichen grammatikalischen Fehlern auch recht oft große Geschmacklosigkeiten; die in der Landessprache verfaßten sind meist sehr unerfreuliche Gemeinplätze. Zahlreiche jüdische Katakombeninschriften, z. B. in Rom***), beweisen, daß man auch ohne die hebräische Sprache, doch mindestens im jüdischen Geiste, Grabinschriften verfassen kann. Sollte dies aber nicht mehr beabsichtigt werden — es hat fast den Anschein — so wären jüdische Friedhöfe ein durch *) Um genügend Abbildungsmaterial zu bekommen, werden Gemeinden, Vereine und Privatpersonen um Überlassung von Abbildungen jüdischer Grabsteine gebeten. Unkosten werden vergütet. Sendungen an „Jüdisches Kunstarchiv" zu Händen von Erich Toeplitz, Berlin NW 6, Karlstr. 33 bei Osmitius. **) Die Literatur hier anzuführen, dürfte den Rahmen dieses Aufsatzes überschreiten, sie findet sich fast ausnahmslos in „The Jewish Encyclopedia" am Ende der Artikel: Catacombs (III p. 614), Cemetery (III p. 637), Tombs (XII p. 183), die auch mit einigen Abbildungen ausgestattet sind. Wer Näheres über die antiken jüdischen Grabanlägen wissen will, sei auf die „Bibliographie der Palästinaliteratur" von Prf. Dr. Peter Thomsen verwiesen. (Band I—III erschienen, IV in Bearbeitung). ***) Unlängst von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums herausgegeben.